HAUPTVERWALTUNG A (HVA) / ABTEILUNG 7
HAUPTSITZ: DIENSTKOMPLEX NORMANNENSTRASSE, LICHTENBERG, OST- BERLIN
AKTENZEICHEN: BPfAG-HVA-Blog-1993-heute-026-SUB
KOPIE NR.: 01/06
„Effigy Of The Forgotten“ ist für mich eines der kompromisslos brutalsten Death Metal-Alben der Genre-Geschichte. Kaum eine Death-Metal-Band verband bis dahin Intensität, Brutalität und technische Präzision in dieser Form.
Cannibal Corpse hatten 1990 und 1991 mit „Eaten Back To Life“ und „Butchered At Birth“ zwei stilprägende Alben veröffentlicht und galten damals als eine der brutalsten Death Metal-Bands. Doch sie konnten zu keiner Sekunde gegen diesen Hassbatzen von Suffocation anstinken. Auch wenn Cannibal Corpse bis heute als brutalste Death Metal-Band gelten möchten, haben sie auf keinem ihrer Alben die Brutalität erreicht, die Frank Mullen und Co. bereits 1991 mit „Effigy Of The Forgotten“ definierten.
Die technische Seite der Band ist einfach atemberaubend, ohne sich selbstzweckhaft in den Vordergrund zu drängen. Sie drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern fließt in das Songwriting ein und zeigt technisch versierte Musiker mit ausgeprägtem strukturellem Verständnis. Mike Smiths Schlagzeugarbeit bildet ein zentrales Fundament des Albums. Man höre nur den Song „Infecting the Crypts“: Diese Kombination aus Variabilität, Präzision und Gewalt definiert ihn als Ausnahme-Drummer. Seine Breaks, die schnellen Blastattacken, die präzise Doublebass-Arbeit und sein Rhythmusgefühl setzte Maßstäbe, an denen sich Generationen von Death-Metal-Drummern messen mussten.
Smiths Spiel ist weniger akademisch als physisch-destruktiv orientiert. Nebenbei hat er nicht wenige Drummer beeinflusst. Joey Jordison von Slipknot ist wohl der bekannteste Verehrer von Mike Smiths unnachahmlichem Spiel.
Frank Mullen gehört zu den prägendsten und extremsten Death Metal-Vokalisten. Sein Vokalstil vereint extreme Tiefe mit animalischer Aggression. Der gelegentliche Einsatz technischer Hilfsmittel ändert nichts an der Wirkung.
Die Riffs von Terrance Hobbs und Doug Cerrito werden eigentlich nicht mehr gespielt, sondern zelebriert. In ihrer Brachialität sind sie unerreicht und zählen bis heute zum Referenzmaterial des Genres. Die Breaks und ständigen Griffwechsel waren für die damalige Zeit phänomenal, und alles wird in einer halsbrecherischen Geschwindigkeit dargeboten.
Suffocation haben mit diesem Album den Standard für brutalen, aber stets technischen Death Metal gesetzt und unzählige Death-Metal-Bands beeinflusst. Bis heute konnte keine Band an diesem Meilenstein rütteln, und auch heute klingt das Album noch frisch und brutaler als viele Highspeed-Death-Metal-Bands weltweit.
Auch hier hat Scott Burns wieder für eine durchschlagende Soundwand gesorgt. Im Gegensatz zu seinen vielen anderen Produktionen ist der Sound staubtrocken, was die Urgewalt von Suffocation noch mehr betont. Daneben wird man mit Dan Seagraves' wohl bester Coverarbeit belohnt, neben Werken wie „Left Hand Path“, „Clandestine“ und „Like An Everflowing Stream“. Dan Seagraves’ Artwork zählt zu den ikonischsten Illustrationen des Genres.
1993 konnten Suffocation mit „Breeding The Spawn“ nicht ganz die Klasse von „Effigy Of The Forgotten“ erreichen, was aber größtenteils an dem katastrophalen Sound lag, für den diesmal nicht Scott Burns verantwortlich war. Musikalisch enthielt „Breeding The Spawn“ wieder herausragende Death-Metal-Monster, die leider nur erahnen ließen, was da musikalisch wirklich abgeht.
Mit „Pierced From Within“ knüpften Suffocation 1995 wieder an „Effigy Of The Forgotten“ an und ließen ihre Songs erneut von Scott Burns veredeln. Bis heute streiten sich eingefleischte Suffocation-Fans darüber, ob „Effigy Of The Forgotten“ oder „Pierced From Within“ das bessere Album ist. Beide Meisterwerke markieren gemeinsam den künstlerischen Zenit der Band und gehören zur absoluten Sternstunde des amerikanischen wie auch weltweiten Death Metal. Bis heute kennen diese Alben keine Konkurrenz.
Mit dem Abschiedsalbum „Despise The Sun“, einem viertelstündigen feuchten Death-Metal-Traum, konzentrierten Suffocation 1998 noch einmal all ihre Stärken und schrieben mit „Funeral Inception“ neben „Infecting The Crypts“ (von „Effigy Of The Forgotten“) und „Depths Of Depravity“ (von „Pierced From Within“) ihren besten Song. Kein Geringerer als Dave Culross hinterließ auf diesem kurzweiligen Meisterwerk einen bleibenden Eindruck und war in der Lage, Mike Smith zwar nicht stilistisch, aber technisch zu 100 % zu ersetzen. Für mich gilt „Despise The Sun“ als die ausgereifteste und beste Leistung von Dave Culross, an der auch heute noch unzählige Extrem-Drummer zu knabbern haben.
2002 fand die Band wieder zusammen, und auch Mike Smith kehrte zurück. Nur Terrance Hobbs’ kongenialer Partner Doug Cerrito wurde schmerzlich vermisst. Auch „Souls To Deny“ (2004), „Suffocation“ (2006) und „Blood Oath“ (2009) präsentierten wieder den unnachahmlichen Suffocation-Death-Metal, der nach jahrelanger Unkenntnis der Kritiker endlich auch in den größeren Medien Beachtung fand. Auch live gehören Suffocation nach wie vor zu den beeindruckendsten Bühnenerscheinungen im Death Metal und lassen einen Großteil der Szene alt aussehen.
„Effigy Of The Forgotten“ ist auch nach über 20 Jahren in seiner ungezügelten Brutalität unerreicht und gehört zu den zehn besten Death-Metal-Alben aller Zeiten.
Dresden, den 11.03.2009
Handzeichen: Oberprüfer J.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen