Dienstag, 10. März 2009

Genesis - Seconds Out

MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT
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Genesis, eine der prägenden Prog-Rock-Formationen der 1970er Jahre, setzten mit ihrem zweiten Live-Album einen markanten Schlusspunkt dieser Phase, bevor sich die Band einer stärker poporientierten Ausrichtung zuwandte. Nach dem phänomenalen Konzeptalbum „The Lamb Lies Down On Broadway“ verließ Peter Gabriel die Band, und Phil Collins übernahm seinen Part als Sänger. Auch wenn Collins nicht an die visionäre Präsenz Peter Gabriels heranreichte, erwies er sich dennoch als funktionaler und respektabler Nachfolger. Auf zwei weiteren Studioalben – „A Trick of the Tail“ und „Wind & Wuthering“ – gelang es ihm, das Genesis-typische Klangbild zumindest teilweise zu bewahren.

Bereits auf diesen Alben ist Collins’ wachsender Einfluss auf die musikalische Ausrichtung deutlich hörbar. Popstrukturelle Elemente schleichen sich vermehrt in den Sound ein. Auf diesem Live-Dokument spielen Genesis zum letzten Mal ihren großartigen Prog, bevor die Band zu einem millionenschweren Megaseller der Popmusik wurde. Ein inzwischen gut dokumentierter Verlauf.

Bemerkenswert ist für die damalige Zeit der druckvolle und außergewöhnlich klare Aufnahmesound. Collins’ Stimme wirkt stellenweise schlanker, und Gitarrengott Steve Hackett kommt etwas zu leise rüber, doch das Gesamtbild bleibt überzeugend geschlossen. Die Songs werden mit höchster Präzision dargeboten. Die Band spielt perfekt zusammen, alles harmoniert. Collins interpretiert das Gabriel-Material eigenständig und ohne bloße Imitation, was den besonderen Reiz dieses Live-Albums ausmacht. Hier gelingt Collins eine bemerkenswert souveräne Leistung. Natürlich hätte ich solch eine Aufnahme gerne mit Gabriel gehört, denn das erste Live-Album bleibt im Vergleich eher konventionell.

„Seconds Out“ zählt zu den bedeutendsten Live-Alben der Rockgeschichte, ein perfektes Zeitdokument von einer Band, die hier zu absoluter Höchstform aufläuft. Sicherlich, die gekürzte Version von „The Musical Box“ mit ihren 3 Minuten ist eine Beleidigung sondergleichen. Doch die Version von „Supper’s Ready“ überzeugt und erstrahlt unter Collins' Führung in einem völlig neuen Gewand.

Ebenso genial ist „Cinema Show“, leider der einzige Song mit Bill Bruford am Schlagzeug, der ein geniales Drum-Battle zwischen Bruford und Collins beinhaltet. Hier treffen zwei der besten Rock-Drummer der 1970er Jahre aufeinander. Wer von ihnen der bessere ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bruford erscheint mir dabei minimal experimenteller, aber das schwankt bei mir täglich, denn Collins galt ja bekanntlich einmal als der Beste seiner Zeit! Chester Thompson kann gegen einen Bruford natürlich nicht anstinken, macht seine Sache aber ebenfalls hervorragend.

Steve Hackett hätte einen würdigeren Abschied verdient als dieses Album, auf dem seine Parts oft untergehen. Doch wenn sie durchschimmern, wird deutlich, wie zentral Hacketts Spiel für den klassischen Genesis-Sound war. Das letzte Bindeglied der klassischen Genesis stieg kurz nach der Tour aus und überließ Collins den großen Spielraum für seine neuen musikalischen Vorstellungen, die Genesis weltberühmt machten.

Mit diesem Live-Album endet die kreativste und für die meisten Fans beste Ära von Genesis. Eine Band, die in den 70ern wie keine andere für Prog-Rock stand und der Musikwelt traumhaft schöne Prog-Alben hinterließ, die heute noch als Maßstab dienen. Auch für mich endet das Kapitel Genesis mit diesem Album, denn die – zugegebenermaßen – klasse Popmusik der Collins-Ära bleibt für mich künstlerisch uninteressant.

Gelesen und einverstanden,
Dresden, den 10.03.2009

Handzeichen: Oberprüfer J.
EINGEGANGEN
14. MÄRZ 2009
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