HAUPTVERWALTUNG A (HVA) / ABTEILUNG 7
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KOPIE NR.: 01/04
Anathema zählen zu den "Big Three" des britischen Doom Metal der frühen 1990er Jahre und vollzogen innerhalb dieser Gruppe den radikalsten stilistischen Wandel. Nachdem Paradise Lost mit „Gothic“ und „Icon“ zwei stilprägende Werke ablieferten, stürzten sie spätestens nach dem unterschätzten Album „One Second“ in die Bedeutungslosigkeit ab.
Einzig My Dying Bride halten auch heute noch die Fahne des melancholischen, depressiven und zutiefst finsteren Doom Metal „made in England“ hoch.
Anathema starteten als Doom Death-Band mit grunzenden Vocals und massiv gestapelten Gitarrenwänden und zelebrierten auf ihren frühen Veröffentlichungen „The Crestfallen“, „Serenades“ und „The Silent Enigma“ noch den puren Lavasound. Bereits mit „The Silent Enigma“ zeichnete sich jedoch ein Bruch im Sound der Briten ab: Es wurde mehr auf klaren Gesang gesetzt, und auch die Melodien wurden ausgefeilter und ansprechender.
Mit „Eternity“ legte Anathema den Grundstein für diesen Stilwechsel, den sie dann zwei Jahre später mit ihrem Jahrhundertwerk „Alternative 4“ perfektionierten und hinterließen ein Werk von konzentrierter Schönheit, Trauer, Melancholie, Düsternis und Verzweiflung.
Schon das grandiose „Shroud Of False“ lässt den Hörer in eine Welt abtauchen, in der man für immer verweilen möchte. Piano, Gitarre, Schlagzeug und der unglaublich intensive Gesang von Vincent Cavanagh eröffnen einen Zustand musikalischer Überwältigung. Was folgt, ist für mich die konsequenteste Verschmelzung von Rock, Pop und Tristesse.
„Fragile Dreams“ lebt von großen Melodien, fantastischem Songwriting und Vincent Cavanaghs betörendem Gesang. Auf „Alternative 4“ gibt es keinen einzigen schwachen Song. Die Stimmung wechselt zwischen melancholisch ruhigen Momenten, erdigem Gitarrenrock, depressiven Tönen und purer Verzweiflung.
Songs wie „Empty“ oder das erwähnte „Fragile Dreams“ sind die Zugangsstellen auf dem Album, während melancholische Klangreisen wie „Lost Control“, „Re-Connect“ oder „Inner Silence“ eine andere, tiefere Seite der Band zeigen.
Die eigentliche Größe des Albums steckt in zwei zentralen Songs. Der Titelsong „Alternative 4 gerät zur vertonten Apokalypse, der perfekte Soundtrack zum Weltuntergang. Wenn Vincent Cavanagh die Textzeile „I'll dance with the angels to celebrate the holocaust...” mit seinem britischen Akzent singt, sieht man förmlich die Welt zusammenbrechen. Dieser Song ist intensiv wie die Hölle und brennt sich für immer ins Gedächtnis ein.
Danach folgt mit „Regret“ der Höhepunkt des Albums. Anathema kratzen mit diesem Wundersong an das vermeintlich unantastbare Erbe von Pink Floyd und behaupten damit ihre Stellung als ernstzunehmender Erbe dieser Band.
Was bleibt, ist ein Meilenstein der 1990er Jahre, wie man ihn vielleicht zuletzt von Tiamat mit ihrem Album „Wildhoney“ gehört hatte, auch wenn musikalisch Welten zwischen diesen beiden Bands liegen. Anathema ist darüber hinaus anzurechnen, dass nur ein Jahr später mit „Judgement“ ein Album erschien, das denselben Meilensteinstatus beanspruchen kann und sich auf demselben Level wie „Alternative 4“ bewegt.
Dresden, den 10.03.2009
Handzeichen: Oberprüfer J.

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