"When the going gets tough / And the stomach acids flow / The cold wind of conformity / Is nipping at your nose / When some trendy new atrocity / Has brought you to your knees / Come with us we'll sail the / Seas of Cheese"
Mit diesem augenzwinkernden Gruß kentert man in die bizarren Gewässer von Primus, wird hineingezogen in eine musikalische Odyssee, die einen gleichermaßen amüsiert und aus der Fassung bringt; wer 1991 "Sailing the Seas of Cheese" auflegte, das Majorlabel-Debüt und zugleich zweite Studiowerk der Band, bekam ein Album von schamloser Frechheit und ebenso schamloser Virtuosität vorgesetzt, das die Grenze zwischen Können und Absurdität, zwischen Funk und Prog Rock, zwischen Humor und Sozialkritik mit spürbarem Vergnügen verschmiert. Im alternativen Rock der frühen Neunziger nehmen Primus eine Sonderstellung ein, die so eigenwillig ist wie der knatternde, schnalzende Bass ihres Anführers: Les Claypool agiert hier als Triebfeder einer Ästhetik, die sich jeder Schublade entzieht, und das Ergebnis ist ein Werk, das zu gleichen Teilen zugänglich und widerspenstig, eingängig und sperrig klingt (was, nebenbei bemerkt, für sich genommen schon eine kleine Kunst ist).
Die Entstehung des Albums fällt in eine Zeit, in der die alternative Szene gerade dabei war, den Mainstream zu erobern; indem sich die meisten Zeitgenossen dem Grunge verschrieben, segelten Primus stur weiter in ihre eigenen, skurrilen Gewässer. Das Kunststück, die experimentelle Ader zu bewahren und trotzdem ein breiteres Publikum zu erreichen – das gelingt ihnen hier, und zwar ohne dass man ihnen den Ausverkauf auch nur ansatzweise vorwerfen könnte.
Klanglich ist das Album ein dichtes Maschenwerk: Claypools virtuoses Bassspiel, Larry LaLondes eigenwillige Gitarrenlinien, Tim Alexanders komplexe, mit spielerischer Leichtigkeit zusammengehaltene Rhythmen. Claypools Slap-Bass, der zwischen Funk, Prog und avantgardistischem Jazz pendelt, bildet das Rückgrat der Songs; LaLonde kontert mit dissonanten Gitarrenfiguren, die weit eher an Captain Beefheart erinnern als an irgendetwas, das man konventionellen Rock nennen könnte, während Alexander dieses Chaos mit mathematischer Präzision zusammenhält, ohne ihm dabei die Leichtigkeit zu nehmen.
Gegenüber dem Indie-Debüt "Frizzle Fry" ist "Sailing the Seas of Cheese" fokussierter, zugänglicher, ohne auch nur ein Gramm an Exzentrik einzubüßen, dies unterstreicht die Chemie zwischen den drei Musikern; die Band destilliert ihre musikalische Vision, verdichtet sie und schärft somit die Wirkung der Songs.
Der Opener 'Here Come the Bastards' ist eine surreale, karikaturhafte Welt, in der die Konventionen von Rock und Metal auf den Kopf gestellt werden. Claypools Bass, slapgetrieben und perkussiv bis zur Groteske, ist das Herzstück des Albums; seine Spielweise ist nicht alleinige Virtuosität, sondern Bestandteil der musikalischen Identität von Primus, nimmt einen von der ersten Minute an in Beschlag und verleiht selbst den verrücktesten Eskapaden eine geradezu übersinnliche Präzision.
'Jerry Was a Race Car Driver' ist, mit treibendem Rhythmus und eingängigem Basslauf widerwillig zum Hit geworden, ein Song, der exemplarisch zeigt, wie Primus komplexe musikalische Strukturen mit poppiger Eingängigkeit zusammenbringen. Claypools Gesangsstil, der eher an einen exzentrischen Geschichtenerzähler erinnert, verleiht dem Song eine zusätzliche Ebene der Schrägheit.
'Those Damned Blue-Collar Tweekers' ist ein Stück, das die soziale Realität der amerikanischen Arbeiterklasse mit einer Mischung aus Empathie und schwarzem Humor beleuchtet. Die hypnotische Basslinie und die dissonanten Gitarreneinwürfe schaffen eine Atmosphäre nervöser Energie, die dem Thema des Songs entspricht.
"Sailing the Seas of Cheese" ist durchdrungen von einer ironischen, satirischen Haltung gegenüber allem, was es behandelt; der Humor untergräbt die Musik aber nie. Primus erschaffen eine Welt, die vertraut und vollkommen fremd erscheint, einen musikalischen Zerrspiegel, der die Absurditäten des modernen Lebens reflektiert und genüsslich verzerrt. Das Vorgängerwerk mag einen lauteren, bis heute präsenteren Nachhall gehabt haben, und mancher mag "Frizzle Fry" wegen seiner Rohheit und größeren Greifbarkeit vorziehen. Für mich bleibt "Sailing the Seas of Cheese" das beste Werk der Band: sperrig und vergnüglich, virtuos und absurd, visionär und restlos unverwechselbar. Eines der eigenwilligsten und schlüssigsten Werke einer Bewegung, die zur Zeit seiner Veröffentlichung gerade erst dabei war, ihre eigentliche Reichweite zu begreifen.

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