Montag, 1. Januar 2018

Pungent Stench - For God Your Soul... For Me Your Flesh

Pungent-Stench-For-God-Your-Soul...-For-Me-Your-Flesh

Wenn es um die kultigsten Death Metal-Alben unserer Zeit geht, spielt das Debüt-"Schandwerk" von PUNGENT STENCH eine ganz bedeutende Rolle. PUNGENT STENCH waren der Dreck unter den Fingernägeln der europäischen Death Metal-Szene – die abscheulichen Österreicher mit den widerlichen Covern und den unzumutbaren Texten.

Die Band hat mit ihren Alben "For God Your Soul... For Me Your Flesh", "Been Caught Buttering" und mit Abstrichen "Club Mondo Bizarre - For Members Only" (auf diesem Werk wird nur noch marginal traditioneller Death Metal geboten) einzigartige Assiwerke des räudigen Death Metal auf die Menschheit losgelassen, die bis heute einen völlig eigenen Charme besitzen.

Nach der Kult-Split mit DISHARMONIC ORCHESTRA und der "Extreme Deformity" EP lieferten PUNGENT STENCH mit "For God Your Soul... For Me Your Flesh" ein Werk ab, das zu den klassischsten und typischsten Death Metal-Alben gehört, die jemals in diesem Genre entstanden sind. Cover, Texte und Image gingen Hand in Hand und bescherten der Band große Zensurprobleme, durch die sie aber nur noch bekannter wurde.

Pungent-Stench-Extreme-Deformity 

Nur wenige Bands haben Death Metal so minimal und reduziert gespielt wie PUNGENT STENCH. Die Songs kratzen so sehr an der Grenze der Primitivität, dass diese eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist. Es rumpelt, wo es nur geht: Die Gitarre ist wunderbar dreckig, der Schlagzeuger spielt gekonnt die einfachsten Takte, und Martin Schirencs rülpsende Grunzlaute lassen das Herz des schlechten Geschmacks höher schlagen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Bands ihrer Zeit haben sich PUNGENT STENCH nie richtig ernst genommen, übertrieben es komplett mit den absurden und in dieser Form nie wieder erreichten Splattertexten. Mit "For God Your Soul... For Me Your Flesh" – einem kruden Mix aus Grindcore, Death Metal und leichten Punkeinschlag – haben sie ein morbides Meisterwerk des ganz schlechten Geschmacks abgeliefert.

Klassiker wie ‘Just Let Me Rot’, ‘Suspended Animation’, ‘Bonesawer’ oder ‘For God Your Soul... For Me Your Flesh’ machen immer noch Spaß und sind, wie auch die restlichen Songs, einzigartige Zeitzeugnisse der frühen 90er Death Metal-Welle. PUNGENT STENCH haben mit den einfachsten Mitteln und ihrem gewissen österreichischen Humor einen einzigartigen Death Metal-Klassiker veröffentlicht, der bis heute zu den Höhepunkten der Szene zählt.

Auch wenn man musikalisch natürlich nichts Komplexes erwarten sollte, ist diese ungeschliffene Attacke ein unglaublicher Faustschlag in den Magen und "beschreibt" wie kaum ein anderes Album aus der Zeit die klassische Death Metal-Welle der frühen Neunziger. Nie haben Blut, Sperma, Eiter, Erbrochenes, Kot und Urin zusammen so unglaublich asozial geklungen.

Cultes des Ghoules - Henbane

Cultes-Des-Ghoules-Henbane

„Henbane“ war das nächste große Monument im Black Metal seit „Anthems to the Welkin at Dusk“, „OM“, „Fas - Ite, Maledicti, in Ignem Aeternum“, „The Work Which Transforms God“, „Thorns“ und vielleicht noch „Rain upon the Impure“ – ein astrales Wunder, das in der Geschichte des Genres einen festen Platz einnimmt, gleichberechtigt neben diesen epischen Meisterwerken.

Hier wird erst gar nicht versucht, musikalisch zu überzeugen, Experimente unterzubringen und mit aufgeblasenem Hompelpompel zu blenden. Musik für doofe Menschen wie mich, in der ich mich komplett verliere. Macht, Finsternis, Unbehagen, Schmerz und Pein, lebendiger Geisteswahn und Gestank.

Cultes Des Ghoules ist hässliche Musik, unsauber gespielt, unromantisch produziert, hoffnungslos schrullig und tief in der Vergangenheit grabend, anstrengend und unepisch episch. Black Metal-Intensität bis auf das Knochenmark.
Die Gesangsleistung auf diesem Album ist schlicht überragend und die „beste Leistung“ 2013. Mortuus wird im Irrenhaus von Jerusalem in einer Zwangsjacke von Mel Gibson getauft, und Xavier Naidoo versucht, ihn dabei durch das Einstimmen seiner Lieder seelisch zu beruhigen. Danach wird er in den polnischen Ostblock in das Jahr 1983 gebeamt. Der Fluxkompensator hat alles möglich gemacht und bei der Taufe das Elend und die Qual der Stimme aufgezeichnet.
Das ist übertrieben gut, was da gesanglich auf diesem Werk abgeht. Es ist eine solch kreative, fast schon theaterhafte Leistung, dass man sie nicht nur hören, sondern auch fühlen muss – sie entzieht sich der Beschreibung und gehört zu den größten Gesangsleistungen, die ich je in diesem Genre erlebt habe. Marek Górecki muss eindeutig Satans persönlicher Hofdichter sein.
Dann diese stumpfen, fiesen Riffs, die sich unaufhörlich durch den Sound fressen. Dieser fiese Gitarrensound: stumpf, roh, leblos, brodelnd, kaputt und staubig. Schlaghand und Wechselgequietsche sind zudem auch deutlich zu hören, so muss das. Und dieser furchterzeugende Bass, der die ganze Zeit lauert. Mal im Vordergrund, dann wieder bestimmend im Hintergrund – aber immer ist er anwesend, glotzt einen mit der dämonischen Fratze des Nachtmahres an, richtig fürchterlich. Und immer wieder diese derbe, pappige Snare.

Die Produktionskosten lagen vermutlich bei 13 Zloty, mehr braucht's auch nicht. Mit 13 Zloty mal eben den besten Sound seit „Under a Funeral Moon“ erschaffen.
Übelkeit, Fieber, schlimme, schweißgebadete Alpträume, juckende Pickel, Eiterbläschen und eine saftige Vorhautverengung bekommt man von diesem Sound.
Mit ‚The Passion of a Sorceress‘ haben Cultes Des Ghoules nicht nur den Höhepunkt dieses Albums festgehalten, sondern auch einen der zehn besten Black-Metal-Songs der letzten 20 Jahre, der wie ein dämonischer Beschwörungstanz durch die Gehörgänge wütet und nicht mehr loslässt.
Danke, Mel Gibson und Xavier Naidoo, dass es euch gibt!
Der letzte Moment, in dem ich mich so klein unter meinem Kopfhörer gefühlt habe, war bei meiner nächtlichen Begegnung mit „The Work Which Transforms God“, welches mich damals (und heute immer noch) ängstlich unter dem Bett nachschauen ließ, als die Musik eines Irren die schwarze Nacht zu einem schweißgebadeten Fiebertrauma entzündete.

Das war so ein Moment, wo ich es nicht wagte, die Schlafzimmertür offen stehen zu lassen, und mich in die Mitte meines Bettes bewegte, um dann in absoluter Angststarre den halboffenen und auf einmal fürchterlichen Kleiderschrank anzustarren, während mir bei einer Nachttemperatur von 6 °C listig ätzende Schweißbäche die Augen überreizten.
Hat sich da gerade etwas in dem Kleiderschrank bewegt? Mein Patrick-Star-Schlafanzug war komplett durchnässt und vermochte es nicht mehr, den maskulinen Schweißfluss von zehn Bauarbeitern aufzunehmen. Mir war heiß und kalt. Der saure Schweiß verdampfte kühl, und Schweißdampf vermischte sich mit einer anderen Flüssigkeit, leicht bitter und stechend in der Nase, wodurch eine Lache, nein, eine Tunke des Ekels entstand, in der ich mich hin und her wälzte. Aber nach dem dritten Mal machte es Spaß, ein Fetisch wurde in mir geboren.

Genauso einen ähnlichen, denkwürdigen Moment habe ich mit „Henbane“ durchlebt.
Da mag mir noch mal einer sagen, Black Metal ist was für Loser, Bettnässer, pickelige Scheiteldeutsche, Ranzgruppen, Ü-30-Jungfrauen und Lehrer.
Das ist er, der große Black-Metal-Klassiker dieser Dekade – ein polnischer Mazurka, der tief in den Eingeweiden schmerzt.

Sonntag, 31. Dezember 2017

Celtic Frost - Monotheist

Celtic-Frost-Monotheist

Wie klingt die absolute Dunkelheit? CELTIC FROST gaben darauf 2006 die Antwort und veröffentlichten mit "Monotheist" vielleicht nicht nur ihr bestes Werk, sondern zugleich einen unerreichbaren schwarzen Brocken, der immer noch unangetastet jedes danach veröffentlichte Black-Metal-Album verpuffen lässt.

Black Metal im wahrsten Sinne des Wortes – also wirklich rabenschwarze und tiefgründige Dunkelheit, zelebriert in Text, Musik und Sound. Bereits die ersten Sekunden des Openers 'Progeny' klingen sofort vertraut – vertraut im Sinne von "Morbid Tales", "Emperor's Return" und "To Mega Therion". CELTIC FROST setzen mit 'Progeny' den noch am typischsten "old school"-mäßigen Song direkt an den Anfang des Albums. Alles wirkt sofort vertraut: die Gitarre von Thomas Gabriel Fischer, die monströsen und zugleich unbeschreiblichen Riffs und natürlich diese wahnsinnige Stimme sowie der brodelnde Bass von Martin E. Ain.

Mit dem zweiten Song 'Ground' wird gnadenlos alles plattgewalzt. Ein Riff, ein Beat, ein alles vernichtender Bassteppich und Fischers unfassbar hasserfüllter Gesang. Doomig schleppt sich der Song durch alle Hirnwindungen.

Was danach folgt, ist vielleicht das fieseste Stück Metal, das unter dem Banner Black/Death Metal in den letzten zehn Jahren komponiert wurde. 'A Dying God Coming into Human Flesh' steigert sich zu einem Psychotrip der Extraklasse. Pure Gänsehaut, pure Finsternis, irre negative Gesangsleistung und eine Abwärtsspirale ins Ungewisse. 'Drown in Ashes' ist nichts weiter als trostlose, einsame Traurigkeit. Fischer liefert sich mit Lisa Middelhauve ein gnadenlos gutes Gesangsduett, das nicht eine Millisekunde aufgesetzt wirkt. Atmosphärisch ist es der dichteste und ergreifendste Song auf "Monotheist", der so wunderbar dahinschwebt.

'Os Abysmi Vel Daath' schleift sich zäh und mit Monsterriffs durch fast sieben Minuten. Unglaublich, wie man mit zwei bis drei Anschlägen auf der Gitarre eine solche monströse Wand erschaffen kann. In 'Obscured' geht es dann etwas gothischer zu. Wieder gibt es ein Duett, diesmal mit Simone Vollenweider. Der Song hätte auch locker auf "Into The Pandemonium" stehen können. 'Domain of Decay' und 'Ain Elohim' beenden im typischen CELTIC FROST-Stil den regulären Albumkontext – mit jeder Menge Fischer-Riffs, pumpenden Bassfundamenten und diesem direkt aus der Hölle stammenden Gesang.

Der letzte Teil des Albums, 'Triptych', umfasst knapp 25 Minuten und ist in drei Songs aufgeteilt. Eingeleitet durch 'Totengott', eine Dark Ambient-Collage mit einer geisteskranken Darbietung von Fischer am "Gesang". Innerhalb von 4:27 Minuten wird locker alles in den Schatten gestellt, was sich seit Ende der Neunziger im Bereich Black Metal als "evil" bezeichnet. Dieser Song sollte als Kanon im Black Metal eingesetzt werden!

Dann folgt das bösartigste Stück Black Metal seit Erfindung des Genres. Oh man, wenn ich nur diese Riffs beschreiben könnte – diesen völlig einzigartigen Gitarrensound, den nur CELTIC FROST besitzen. Ab 2:46 im Song 'Synagoga Satanae' erklingt dieser Ton, der so charakteristisch für Fischer ist. Es scheint, als müsse er einen Pakt mit dem Teufel eingegangen sein, um diesen besonderen Sound zu kreieren. Die Songs könnten alle schlecht sein – ich würde das Album trotzdem lieben, allein wegen diesem völlig irre machenden Gitarrenton. Wenn Fischer stimmlich komplett ausflippt, psychopathisch aufheult und finster knurrt, ist das mit Worten kaum zu beschreiben. Knapp 15 Minuten lang wird man in 'Synagoga Satanae' durch die schlimmsten Ecken der Hölle geschickt.

Das abschließende 'Winter' beendet das Album auf eine ruhige, aber beunruhigende Art und Weise.

Monotheist ist Lehrwerk, Sucht, Glückseligkeit, Hass, Finsternis, Zerstörung, Abgrund, Lava – und vielleicht die Hölle in Musik gepresst. Es gibt kein vergleichbares Album, das so düster, so ehrlich, so gnadenlos und so überzeugend authentisch bösartig ist.

Nebenbei möchte ich auch lobende Worte für Peter Tägtgren erwähnen, der es geschafft hat, dass der Sound nicht überladen oder matschig klingt, obwohl er nicht als Hauptproduzent tätig war. Soundmäßig killt Monotheist gnadenlos jede High-End-Produktion.

Neben den ersten beiden Alben von ENTOMBED, "Under A Funeral Moon", den heiligen Kyuss-Werken und natürlich den 70er-Black-Sabbath-Schablonen, gab es in der Welt der harten Gitarren nie wieder einen ehrfürchtigeren Gitarrensound.

Samstag, 30. Dezember 2017

Psychotic Waltz - Into the Everflow

MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT
HAUPTVERWALTUNG A (HVA) / ABTEILUNG 7
HAUPTSITZ: DIENSTKOMPLEX NORMANNENSTRASSE, LICHTENBERG, OST-BERLIN
AKTENZEICHEN: BPfAG-HVA-Blog-1993-heute-026-SUB
KOPIE NR.: 01/70

ms. Bitte dem Genossen Abteilungsleiter zur Kenntnisnahme vorlegen!
AKTE GESCHLOSSEN

Denke ich heute an "Into The Everflow", kehrt augenblicklich die Erinnerung an eine Zeit zurück, in der Musik noch keine Grenzen zu kennen schien, weder ästhetische noch emotionale. Unangekündigt traf mich dieses Album um das Jahr 1999 mit einer entsprechenden Heftigkeit. Es riss mich in einen Zustand von Euphorie, in ein flirrendes Gemenge aus Farben, Trugbildern und einer Emotionalität, die über die Ufer trat und meinen damaligen musikalischen Horizont für immer verschob.

"Into The Everflow" besitzt eine derart eigentümliche Aura, dass es sich bereits in den ersten Minuten mit beunruhigender Selbstverständlichkeit unter meine prägendsten Hörerfahrungen einsortierte. Ließe sich sein emotionaler Überschwang in eine physische Substanz überführen, ich würde sie mir wohl bedenkenlos direkt in die Blutbahn injizieren; in seiner psychedelischen Sogwirkung erscheint dieses Album auch heute noch überwältigend narkotisch. Jeder einzelne Song stellt eine kurze Suspendierung gewöhnlicher Wahrnehmung dar, butterweiche Stimmungswechsel und ineinander verschachtelte Emotionsebenen, deren Wirkung sich nur schwer rational entschlüsseln lässt.

"Into The Everflow" ist ein psychedelisch aufgeladener Entwurf von Progressive Metal, der sich zwar erkennbar aus den Traditionen des Genres speist, dessen Dramaturgie sich jedoch beharrlich jeder linearen Erwartung entzieht. Die Gitarrenarbeit von Dan Rock und Brian McAlpin besitzt eine Flüssigkeit und eine Zerklüftung im selben Ton, wie man sie selbst innerhalb des Progressive Metal äußerst selten vernimmt. Mit beängstigender Präzision greifen die beiden Gitarren ineinander, mal fragil und träumerisch schwebend, dann wieder aufflammend in neuer Gestalt. Während einzelne Riffs mit eruptiver Gewalt in die Songs einbrechen, sind die Soli in ihrer melodischen Intuition entrückt.

Rhythmisch verweigert sich das Album ebenfalls schablonenhafter Orientierung. Die Songs gleiten zwischen kontrollierter Virtuosität und traumhafter Losgelöstheit hin und her; ständig entsteht der Eindruck einer Musik, die ihre eigene Logik über jede Regel stellt.

Über dieser stetig changierenden Instrumentierung erhebt sich Buddy Lackeys Stimme, deren Vortrag zwischen verletzlicher Bescheidenheit und manischer Beschwörung vibriert, ohne dass der emotionale Fluss der Musik darunter zerbricht.

Gerade 'Butterfly' entwickelt mit seinen schwebenden Harmonien und dem unwirklichen Spannungsaufbau einen Sog, der sich erst lange nach dem Verklingen des Songs vollständig entfaltet. Überhaupt existiert auf "Into The Everflow" kein Moment, der beiläufig oder funktional erschiene; jede Passage, jede melodische Volte scheint präzise auf die Gesamtwirkung des Albums abgestimmt.

Die Songstrukturen sind so organisch und unberechenbar, dass sich die Musik fortwährend neu zu organisieren scheint. Auch heute besitzt "Into The Everflow" noch diese kaum greifbare Intensität, die nur wenigen Alben dauerhaft erhalten bleibt. Es saugt einen vollständig in sich hinein, zieht einen in eine Welt aus bunten Melodien, rastlosen Rhythmuswechseln und traumhaft verschobenen Klängen, deren Zauber weder kalkuliert noch verkopft erscheint und sich selbst nach zahllosen Durchläufen nicht erschöpft.

Gelesen und einverstanden,
Dresden, den 30.12.2017

Handzeichen: Oberprüfer J.
EINGEGANGEN
04. JAN. 2026
ARCHIV-VERWALTUNG

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Oldboy

Oldboy
Regie: Park Chan-wook, 2003

Dieser Film ist schlicht und ergreifend eines der größten Filmmeisterwerke des 21. Jahrhunderts. Chan-wook Park hat hiermit einen meiner drei Lieblingsfilme erschaffen. Der originelle Plot, der sich bis zum explodierenden Finale durch gewaltige Bilder, hypnotisierende Musik und meisterhafte Kameraschwenks mehr und mehr in die Höhe katapultiert, ist so gut, dass mir immer noch die passenden Worte fehlen.

Min-sik Choi liefert hier eine denkwürdige Leistung ab. Seine Mimik und Gestik sind selbst für das asiatische Kino einmalig. Neben den Rachefantasien, Gewaltausbrüchen und Kampfszenen, die nicht versuchen, den Film damit zu überladen, sondern sehr dosiert und stilsicher eingesetzt werden, gibt es unglaublich viele schöne Momente. Etwa, wenn Oh Dae-su im Bett seiner "Zelle" liegt und die Kamera nach rechts fährt, sich dabei das Bild in eine andere Landschaft verwandelt und er aus einem Koffer klettert. Oder wie die unglaublich zuckersüße Mi-do von Einsamkeit spricht, und die Szene plötzlich in eine leere Bahn übergeht, wo sie alleine mit einer übergroßen Ameise sitzt. Das sind genau diese Momente, die den Film weit über das hinausheben, als was er oft angesehen wird.

Dann gibt es natürlich auch noch solche ikonischen Szenen wie die berühmte Szene im Sushi-Restaurant, in der ein lebendiger Kalmar von Min-sik Choi verspeist wird, oder die Kampfszene vor dem Fahrstuhl, die ohne Schnitt auskommt. Die Reduzierung auf einen reinen Rachethriller halte ich für unangebracht, denn es ist auch gleichzeitig ein (versteckter) Liebesfilm, der mich auch heute noch zu Tränen rührt.

Neben den grandiosen Dialogen und dem Monolog von Oh Dae-su nimmt auch die Musik einen großen Platz im Film ein. Park versteht es, die Musik so meisterhaft einzusetzen wie ein Kubrick. Besonders das Herzstück 'The Last Waltz' gehört zu den schönsten Momenten der Filmwelt. Es ist eines dieser epischen Großwerke, die nur alle paar Jahre im Kino auftauchen (ähnlich wie bei dem ein Jahr früher erschienenen "Cidade de Deus"), bei denen Regie, Kamera, Story, Tempo, Schauspiel, Musik, Benommenheit und Schönheit perfekt ineinandergreifen und noch lange nach dem Ende im Kopf bleiben.

Dies liegt auch zu einem großen Teil am Ende, das so monströs einwirkt, wie es mir davor und danach nie wieder widerfahren ist. Ich könnte suchen, wie ich will – ich finde keinen einzigen Schwachpunkt an diesem Meisterwerk. Park gehört schon lange zu meinen Lieblingsfilmemachern. Auch wenn er inzwischen ein paar durchschnittlichere Werke abgeliefert hat, hat er mit "Oldboy" einen Meilenstein des (asiatischen) Kinos erschaffen, der mit Sicherheit in ein paar Jahrzehnten eine ähnliche Bedeutung haben wird wie die großen Kurosawa-Klassiker.