Samstag, 18. Mai 2019

Nehëmah - Light Of A Dead Star

Nehëmah-Light-Of-A-Dead-Star

Light Of A Dead Star kann man mit ruhigem Gewissen als einen Klassiker des französischen Black Metal ansehen. Black Metal der alten Schule, verpackt in einem fantastischen, voluminösen Soundgewand und einer zutiefst finsteren Stimmung. Spielerisch beweisen die vier Franzosen ein überdurchschnittliches Geschick an den Instrumenten, was sich in den sechs Songs niederschlägt.

Eröffnet wird dieser kalte Sturm mit Feuerknistern und minimalen Ambientklängen. Stimmungs- und geheimnisvoll bauen diese drei Minuten in The Witch Burns… eine schaurige Atmosphäre auf. Mit Light Of The Dead Star wird man sofort zehn Jahre zurückgeworfen. Die Gitarre sägt gnadenlos roh durch den Gehörgang, und das mächtige Drumming treibt den Song immens nach vorne. Auffallend ist sofort der dennoch räumliche Gitarrensound und die Präsenz des Basses, alles mit dem Black Metal-typischen Hall unterlegt.

Auch Sänger Corven weiß mit seinem prägnanten Kreischgesang zu überzeugen und besitzt nebenbei noch eine gewisse eigene Note. Die teilweise überlangen Songs (zwischen fünf und zwölf Minuten) werden durch dezente Keyboardflächen stimmig untermalt. Tempovariationen sorgen für hochgradige Abwechslung, und auch cleaner Gesang kommt zum Einsatz.

Besonders die geschickten Tempowechsel sind die großen Stärken von Light Of A Dead Star. Hier wird nicht fünfzig Minuten lang drauflos geprügelt, sondern eine finstere Stimmung heraufbeschworen, die es locker mit den frühen Klassikern der zweiten Black Metal-Welle aufnehmen kann. Beim ersten Hördurchgang klingen die Songs noch alle nach typischem Black Metal skandinavischer Prägung, doch spätestens beim dritten Versuch sollten sich die morbiden Kompositionen in ihrer Vielfalt erschließen.

Einzelne Songs hervorzuheben macht wenig Sinn, denn Light Of A Dead Star funktioniert als eine homogene Einheit. Der Fluss des Albums ist spannend, bedrückend und herausfordernd. Jeder Ton ist geschickt platziert, das abwechslungsreiche Drumming hält die Songs immer zusammen, und die sägende und bedrohliche Gitarrenarbeit ist typisch Black Metal.

Auch das Gespür, mit dem NEHËMAH Melodien erschaffen, ist phänomenal stark. Ob leicht orientalisch, tieftraurig oder einfach nur beklemmend – die Melodien auf Light Of A Dead Star haben einen ganz speziellen Reiz. Die ganze Stimmung, die auf dem Album erschaffen wurde, ist tiefschwarz und beängstigend überzeugend eingefangen.

Frei von progressiven Einflüssen, klinischen Sounds, klebrigen Melodien und einem Keyboardoverkill lebt Light Of A Dead Star von seiner ehrfürchtigen Atmosphäre und dem Können der vier Musiker, die auch mal dezent auf genrefremde Rhythmiken und Elemente zurückgreifen. Sicherlich ist Light Of A Dead Star kein revolutionäres Album – alles kommt einem vertraut vor. Tempowechsel à la DARKTHRONE, Anlehnungen an ganz alte EMPEROR oder die fanatische Stimmung der ersten BURZUM-Alben finden sich in fast jedem Song wieder.

Doch was NEHËMAH innerhalb der engen Grenzen des Black Metal mit Light Of A Dead Star geformt haben, ist monumental stark und beeindruckend, abwechslungsreich, wahnsinnig spannend und intensiv. Selten wurde nach der zweiten Black Metal-Welle so ein konzentriert gutes, harmonisches und authentisches Black Metal-Werk erschaffen, wie es den Franzosen NEHËMAH mit ihrem Debüt gelungen ist.

Dienstag, 2. April 2019

Emperor - Anthems To The Welkin At Dusk

Emperor-Anthems-To-The-Welkin-At-Dusk

Donnerstag, den 17.07.1997

"Werte Frau Mutter,

wie Sie wissen, wohne ich nun schon seit gut 54 Jahren neben Ihrer Wohnung. Ich habe Ihren Buben von klein auf aufwachsen sehen. Dieses süße, blonde Kind mit den lockigen Haaren und dem frechen Gesicht. Dies gehört nun leider schon länger der Vergangenheit an, und die beängstigende Entwicklung Ihres Sohnes beobachte ich nun schon intensiv in den letzten Jahren. Was ist aus dem niedlichen Topfschnitt geworden? Lange Haare, wie ein Mädchen, trägt er nun, ohne sich dafür zu schämen. Dazu diese schreckliche Kleidung. Zerrissene Jeans, anstößige schwarze Nickis mit Wörtern, die man nicht lesen kann, dazu diese grässliche Lederjacke. Da bekommt man es mit der Angst zu tun und schließt seine Haustür schon am frühen Nachmittag ab, nur damit man nicht plötzlich einer Gefahr gegenübersteht. Wissen Sie eigentlich, dass Ihr Sohn nach der Schule seit kurzem immer dieses Mädchen mit enorm entwickelter Oberweite mit zu sich nach Hause nimmt? Sie sind ja bis zum späten Abend auf Arbeit, und ich mache mir da so meine Gedanken, was man in diesem Alter bereits alles anstellen kann. Aber das sollten Sie selber mit Ihrem Sohn klären, da möchte ich mich nicht auch noch einmischen.

Grund für mein Schreiben ist der ständige Krach, der nun schon seit dem 9. Juli aus Ihrer Wohnung kommt. Es klingt, als ob die Hölle auf Erden wandelt. Fürchterliches Geschrei von Todesangst, wo man kein einziges Wort versteht, laute Rockmusik, schlimmer als die von Drafi Deutscher, und Fanfaren, die nach satanischen Ritualen klingen. Ich habe bereits Beschwerde beim Vermieterbund eingereicht, und wenn dieser ständige Lärm nicht sofort ein Ende hat, benachrichtige ich die Polizei und die Eltern von dem Mädchen! Ihre Pakete, die auch zum großen Teil für Ihren Sohn sind, nehme ich auch nicht mehr entgegen. Und bei dem nächsten Treffen Ihres Sohnes mit seinen Freunden vor dem Hauseingang, schütte ich einen Eimer kaltes Wasser aus dem Fenster!

Mit freundlichem Gruß, xxxxxx xxxxxxxxxxx"

So oder so ähnlich musste es damals abgelaufen sein, als ich das beste grüne Album neben "Close to the Edge", "Slow, Deep and Hard" und "World Coming Down" zum ersten Mal in den Händen hielt, das majestätische und leicht verschwommene Cover stundenlang inspizierte, mir die Songtitel auf dem Backcover vor Augen hielt und dabei jeweils mit bewunderten Blicken die vier jungen Musiker Ihsahn, Samoth, Trym und Alver betrachtete. Mit verschwitzten Händen legte ich die CD ganz behutsam in den Player und wartete ab, was da auf mich einwirken sollte.

‘Alsvartr (The Oath)‘ - man kann es einfach nicht oft genug sagen, ist und bleibt das größenwahnsinnigste Intro, welches mir bis heute unter die Ohren gekommen ist. Mit schleichender Behutsamkeit wird eine unheimliche und unwirkliche Stimmung erzeugt, obwohl es bereits die ganze Zeit im Hintergrund fieberhaft brodelt. Dann, dieser Moment der Göttlichkeit, es dröhnt und tost, stürmische Fanfaren, Engel stürzen vom Himmel, Luzifers Posaunen begleiten diesen Sturz um dann vom Kaiser empfangen zu werden. „Oh, Unbeschreiblichkeit der Himmel, es war die Herrlichkeit, und die Herrlichkeit wurde Fleisch! Wie ein Vogel, aus dem kostbaren Metall des Weltalls gesponnen. Wie Silberwein, der durch ein Raumschiff schwebt. Hier wird Schwerkraft zum Unsinn! Und während ich lauschte, sah ich so liebliche Bilder. Und, oh meine Brüder, für einen Augenblick war’s, als sei ein großer, bunter Vogel in mein Zimmer gerauscht! Und ich spürte, wie sich all meine Body-Härchen aufrichteten, und ein Schauer kroch langsam an mir rauf und runter, als wär’s eine Eidechse. Engels-Trompeten und Teufels-Posaunen!“ (Zitat aus “A Clockwork Orange“, 1972) Dieser Übergang in das alles überrennende ‘Ye Entrancemperium‘, dieses Gitarrenriff, das unmenschliche Drumming von Trym, diese ganze in sich zusammenbrechende Welt, gehört so ziemlich zu meinen unvergesslichsten Jugendmomenten.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich nach dem Song sofort von vorne begonnen hatte, mir ‘Alsvartr (The Oath)‘ und ‘Ye Entrancemperium‘ wieder anzuhören, mich völlig hinzugeben, den Übergang auf der absoluten Höhe der Lust zu genießen, um dann mit den folgenden 5 Minuten von ‘Ye Entrancemperium‘ alles um sich herum zu vergessen. Sonnenschein, Hausaufgaben, die tägliche Baywatch Folge, Badespaß mit Kumpels am See und natürlich das tägliche Buhlen um meine damalige große Liebe - alles wurde mit einem Schlag ausgelöscht, nichts und niemand interessierte mich in diesem Moment der völligen Abwesenheit, um gebannt vor der Anlage zu knien, mit dem Booklet und der goldenen Schrift in der Hand Ihsahn zu folgen und sich völlig der Musik hinzugeben, war der größte und schönste Moment für mich im Jahr 1997.

Ich konnte nicht mehr ohne "Anthems to the Welkin at Dusk". Kein Tag verging, ohne dieses Album zu hören. Kein Tag, an dem ich nicht jeden, der mich kannte, egal ob im Freundeskreis, den Mädels, die sich mit mir auf offener Straße zeigten oder innerhalb der Familie, dieses Album vorspielen wollte, diese Musik begeisternd präsentieren wollte. Leider stand ich damit meistens alleine da und wurde nur mit fragenden und verständnislosen Blicken bestraft. Meine Nachbarn allerdings mussten sich jeden Tag, ob sie wollten oder nicht, mit diesem Werk "beschäftigen", es ging gar nicht anders. Es war ja nicht so, dass sie eine Wahl gehabt hätten, wenn ich am Nachmittag die Boxen an den Rand der Belastung getrieben hatte.

Und so bewegte ich mich durch den ganzen Sommer 1997, Hand in Hand mit "Anthems to the Welkin at Dusk", anstatt mit meiner einstigen großen Liebe, die mich immer merkwürdiger fand.

"Anthems to the Welkin at Dusk" ist ein Album, mit dem ich immer gewisse Momente, Lebensabschnitte und Erlebnisse verbinde, welches auch wirklich ein Teil von mir ist. Es ist für mich nicht einfach nur das mächtigste und intelligenteste Black Metal Album, was unter der Bezeichnung Black Metal entstanden ist. "Anthems to the Welkin at Dusk" gehört für mich zu den wichtigsten Werken der Musik, die mich bis heute begleiten, egal ob es nun Black Metal ist oder einfach nur beängstigende traumhaft magische Musik, die für mich so wertvoll ist wie ein Erdbeereisbecher mit frischen Erdbeeren und frischer luftiger Sahne und richtigem Eis, welches man im Sommer mit Freunden und der Dame seines Lebens im Freien genießt und in diesem Moment der glücklichste Mensch ist, weil man dieses grüne Album kennenlernen durfte, von diesem Album bereits durch drei Jahrzehnte begleitet wird und weil Musik einfach die schönste Form von Kunst darstellt, die schönste Form Gefühle auszudrücken, und man mit Musik die schönsten Erinnerungen verbindet. Und genau solche Art von Alben sind es, die für immer durch Bauch, Herz, Kopf und Nerven wandern, stündlich, täglich, Monate, Jahre und Jahrzehnte jung bleiben und das Leben lebenswert machen.

"Anthems to the Welkin at Dusk" gehört mit seiner dreiviertel Stunde Zauberei und Magie zu den wertvollsten Dingen, die ich besitze. Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, dass die Produktion nicht perfekt ist (verwaschen und unausbalanciert), die Keyboards nicht mehr zeitgemäß klingen (aber immer noch so mächtig schmettern wie am 7. Juli 1997) und dass schon damals diese haarsträubenden Kommentare zum Thema "ist das noch Black Metal, ist das überhaupt noch trve?" ohne Beachtung von mir links stehengelassen wurden. Mir persönlich haben sich nur wenige Alben so sehr ins Hirn gebrannt, mit denen ich so viel verbinde, wie mit "Anthems to the Welkin at Dusk". Neben "Left Hand Path" musste ich mir dieses grüne Album wirklich ein zweites Mal nachkaufen, da ich "Anthems to the Welkin at Dusk" überall mit hingeschleppt habe, und irgendwann die Silberscheibe nicht mehr wollte. Und als ob "Anthems to the Welkin at Dusk" nicht schon der Gipfel der Lust wäre, durfte ich wenige Wochen später "In the Nightside Eclipse" erleben und wurde fassungslos von einer Band gefangen genommen, die man mit Worten nur schwer würdig wird.

Und somit endet der Text hier mit den mächtigen Worten, die in Verbindung mit der Musik, für meinen größten musikalischen Gänsehautmoment gesorgt haben:

"O'Nightspirit
I am one with thee
I am the eternal power
I am the Emperor"

Samstag, 9. März 2019

Idioterne

Regie: Lars vom Trier, 1998

Lars von Trier, was bist du nur für ein krankes Stück Mensch? Eine Gruppe von Frauen und Männern lebt zusammen in einem leeren Haus, sozusagen als Kommune. Draußen, auf der Straße, in öffentlichen Einrichtungen, „verwandeln“ sie sich – bis auf ein bis zwei Personen – in geistig wie auch körperlich behinderte Menschen. Dabei ist an jedem Tag immer eine andere Person aus der Gruppe für die Rolle des Betreuers zuständig, damit jeder mal Spaß haben darf.

„Getarnt“ in diesem „Zustand“ testen sie die Grenzen und die Reaktionen der „normalen“ Menschen aus und versuchen dabei, diese immer zu entlarven. Manche Situationen sind herrlich lustig (auf eine ganz unangenehme Weise), andere hingegen sind sehr gut eingefangen und teilweise auch hart an der Grenze.

Lars von Trier scheut dabei vor nichts zurück. Es gibt ausladende Nacktszenen von Mumus und Pillemännern, inklusive einer echten Pinkelszene im Männerklo und einer halben Erektion in der Damendusche. Die Kamera hält drauf, wo es nur geht. Die „Krönung“ ist dann die „hingeklatschte“ Rudelbumsen-Szene, die nichts weiter zeigt als unzensierten Sex. Für damalige Verhältnisse (1998) war das durchaus mutig.

Zum Schluss driftet der Film zwar zu sehr in zwischenmenschlichen Murks ab und ist nach hinten raus etwas zäh, konnte mich aber über die ganze Spielzeit, ähm, unterhalten. Wer nun die wirklichen Idioten waren oder sind – die „normalen“ (Spieß-)Bürger oder die gespielten Behinderten – muss dann jeder für sich entscheiden. Ob man sich diesen Film überhaupt ansehen möchte, ist auch eine wichtige Frage.

Für definitiv 90 % der Normalsterblichen sicherlich nicht zumutbar und auch überhaupt nicht empfehlenswert. Ich jedoch fresse Lars aus der Hand und bin froh, dass es solche Regisseure überhaupt gibt. Filmtechnisch läuft alles im Rahmen der dänischen Dogma-Reihe (Dogma 95) ab, sprich Handkamera und keine künstlichen Hilfsmittel wie Beleuchtung, Nachvertonung etc. Wer allerdings von Festen begeistert war, sollte mal ein Auge riskieren, auch wenn beide Filme inhaltlich meilenweit auseinanderliegen.

Samstag, 2. März 2019

Krótki film o zabijaniu

Regie: Krzysztof Kieślowski, 1988

Ein polnischer Film mit dem deutschen Titel Ein kurzer Film über das Töten von Krzysztof Kieślowski, mit dem ich mich wohl demnächst intensiver beschäftigen werde. In modrig-grünen Bildern beobachtet man drei Personen im schaurig-tristen Warschau von 1988, mit seinen Plattenbauten und schlammigen Straßen: einen Rechtsanwalt, einen ziellosen jungen Mann und einen eher übellaunigen Taxifahrer.

Kern des Films ist ein Mord, der extrem realistisch in Szene gesetzt wurde, und die folgende Todesstrafe für den Täter, die damals noch in Polen praktiziert wurde. Der Mord wird allerdings nicht im blutigen Overstyle dargestellt, sondern in langen, qualvollen Bildern. Abgelegen, trist, hilflos und kalt. Ging mir zumindest sehr an die Nieren, auch wenn ich von der schnörkellosen Schonungslosigkeit begeistert bin.

Eigentlich passiert in dem Film über fast die gesamte (nicht gerade lange) Laufzeit nicht viel, wobei aber gerade diese tristen Bilder von Warschau eine intensive Anziehungskraft auf mich ausüben. Optisch kein einfacher Film, der mit konventionellen Sehgewohnheiten nichts gemeinsam hat.

Die eigentlich thematisierte Todesstrafe zum Ende des Films ist zwar eher kurz dargestellt, dafür aber umso glaubwürdiger und aufrüttelnder als in z. B. dem eher lauen Dead Man Walking. Hier ist man mittendrin in der emotionslosen Ausführung der Hinrichtung – auch wenn diese unspektakulär dargestellt wird und somit noch unangenehmer ist als der ohnehin schon schonungslose Mord.

Wohl oder übel werde ich mir ein paar andere Filme von Kieślowski besorgen, der unter Filmkennern ja hochgeschätzt wird. Ich stehe einfach viel zu sehr auf diesen Stil: europäisches Kino, kleinere Filme mit großer Wirkung und Kamerabilder mit Ecken und Kanten.

Sonntag, 10. Februar 2019

Master’s Hammer - Ritual



1991 erschien mit Ritual ein Black-Metal-Klassiker aus der östlichen Region Europas. MASTER’S HAMMER, neben ROOT und MANIAC BUTCHER die dienstälteste und beste tschechische Black-Metal-Band, komponierte mit ihrem Erstwerk einen lupenreinen Genreklassiker. Bis heute besitzt Ritual eine magische Aura, eine faszinierende Atmosphäre und ein ganz besonderes Soundgewand.

Ein absolutes Highlight auf Ritual ist, neben der völlig eigenartigen Gitarrenarbeit, das einzigartige Gekrächze von Storm. Durch die Verwendung der tschechischen Sprache wirkt der Gesang noch brutaler und bedrohlicher, zugleich aber auch einzigartig. Die Songs stehen ganz in der Tradition des 80er-Jahre Thrash Metal, gewürzt mit atmosphärischen Keyboarduntermalungen und einem polternden Schlagzeug. Ziemlich dünn und technisch nicht unbedingt überragend, erzeugen MASTER’S HAMMER jedoch gerade durch die rohen Riffs und die Soli eine absolut fesselnde Wirkung.

Überhaupt erschaffen die Tschechen auf Ritual einen völlig eigenständigen Black-Metal-Sound, der bis heute von den Fans sowie von anderen Black-Metal-Bands geliebt und verehrt wird. Generell gilt ja der Nachfolger The Jilemnice Occultist von 1992 als das beste Werk der Tschechen. Ich halte jedoch Ritual für das bedeutendste und prägendste Black-Metal-Werk aus dem Osten Europas.

MASTER’S HAMMER komponierten keine Prügelorgien oder „stumpfes“ Gitarrengeschrubbe. Sie erschufen Songs, die auch heute noch in ihrer Einzigartigkeit völlig unangetastet sind und weiterhin massenweise Horden an Black-Metal-Bands beeinflussen werden. MASTER’S HAMMER kombinieren die wilde und ungezügelte Rohheit von Bands wie den frühen SARCÓFAGO oder BATHORY mit klassischen Heavy-Metal-Strukturen und dezent eingesetzten Keyboardflächen. Wie man es auch betrachtet, Ritual ist und bleibt eines der bedeutendsten Alben der Black-Metal-Geschichte.