Donnerstag, 29. November 2018

Arcturus - La Masquerade Infernale

Arcturus-La-Masquerade-Infernale

Heute kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass dieses Album 1997 heftig diskutiert wurde. Bekannte und angesehene grimmige Black Metal-Lausbuben wurden plötzlich "erwachsen" und verzichteten größtenteils auf Kreischerei, Schrammelgitarren und holprige Blastbeats. Dies wurde zwar alles schon mit dem Vorgänger angedeutet, doch hier schoss die "Supergroup" so weit über die enge Grenze der Black Metal-Ordnungsgemeinschaft e.V., dass sich für einen Moment die Welt nicht mehr drehte. Trip-Hop spielten sie, hieß es laut und verächtlich schallend aus dunklen Kellern, und Verrat durch Elektronik sowie die Nutzung des Keyboards als Leadinstrument.

Heute ist sich halb Europa darüber einig, dass Arcturus 1997 mit diesem theaterhaften Projekt für viele folgende experimentierfreudige und progressive Black Metal-Bands aus Frankreich und den USA einen wichtigen und notwendigen Grundstein gelegt haben.

Sonntag, 5. August 2018

Gang Of Four - Entertainment!

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Eines der 10 besten Punk-Alben und zugleich ein ungemein einflussreiches Werk für nachfolgende Gitarristen. Andrew Gill, der Superstar auf dem Album, hatte seine eigene Vision und kreierte funkige Gitarren-Stakkatos, die die Rockmusik nachhaltig massiv prägten. Zudem ist Entertainment! die Ohrfeige für alle, die ahnungslos behaupten, Punk sei anspruchslose Assimusik.

Muxmäuschenstill

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Regie: Marcus Mittermeier, 2004

Ich traue es mir fast gar nicht zu schreiben, aber Muxmäuschenstill aus dem Jahr 2004 ist einem C'est arrivé près de chez vous (Man Bites Dog) – es ist wirklich unglaublich – ebenbürtig. Nein, Muxmäuschenstill ist kein Abklatsch, keine billige Kopie oder ein deutsches Remake des Kultklassikers aus Belgien. Muxmäuschenstill ist ein eigenständiger, kluger, anspruchsvoller und wahnsinnig ernster und ehrlicher Film, der aber kein Geheimnis daraus macht, dass er sich in jeder Sekunde, jeder Szene und in den Dialogen vor dem übergroßen Vorbild aus Belgien verneigt.

Mux versucht mit seinen Methoden die Welt zu verbessern, hier im Berliner Großstadtzirkus, indem er selbst Richter und Henker spielt. Als seine rechte Hand wird Gerd, ein Langzeitarbeitsloser, von Mux als Begleiter und Kameramann angeheuert. Gemeinsam üben sie Selbstjustiz aus, wobei Mux aktiv auch mal mit Knarre vor der Kamera die "Gesetzlosen" angeht und Gerd passiv hinter der Kamera alles dokumentiert.

Hierdurch entstehen unglaublich witzige Momente, bei denen man aber innerhalb einer Nanosekunde zu ersticken droht. Der Film steigert sich immer mehr, die Gewalt wird schonungsloser, und es wird kein Tabu umgangen. Kinderpornografie wird genauso behandelt wie die "Bevorteilung" von Behinderten. Es wird einfach nichts ausgelassen: Ob es nun Hundehalter sind, die für die Scheißhaufen auf den Gehwegen bestraft werden, Falschparker auf Behindertenparkplätzen, weil Mutters Kind mal eben nur kurz in die Ecke pinkeln muss, Opas mit Kinderpornografie in der Tüte zur Rede gestellt werden oder eine Studentin, die im Kaufhaus einen BH klaut und vor laufender Kamera und den Blicken von Mux und Gerd gedemütigt den geklauten BH wieder in der Umkleide ausziehen muss.

Mit fortschreitender Laufzeit tut der Film auch schon mal weh. Manche Szenen sind schon recht derb, besonders weil sie "unkommentiert" und realistisch gezeigt werden – und hier sind die großen Parallelen zu Man Bites Dog. Auf der anderen Seite wird man von der ersten Sekunde an von Mux an die Hand genommen und durch den Film geschleift. Jan Henrik Stahlberg trägt den Film in jeder Sekunde und hat das gleiche Charisma und eine ähnliche Wirkung wie Benoît Poelvoorde in Man Bites Dog. Eine fantastische Schauspielleistung, die niemals aufdringlich oder realitätsfern wirkt.

Der Film hat zudem ein wackelfestes Fundament aus bitterbösem und tiefschwarzem Humor, der für einen deutschen Film schon fast zu heftig ist. Natürlich ist der Film keine seichte Unterhaltung, und manche Szenen sind wirklich unglaublich unangenehm, dabei verliert sich der Film nie in billiger Unterhaltung oder sinnlosen Gewaltszenen und ist perfekt gestrafft und kontinuierlich auf den Punkt gebracht.

Ich bin stolz, dass so eine Filmperle aus Deutschland kommt – das muss man einfach mal sagen. Für mich einer der besten Filme der letzten Jahre, die ich gesehen habe.

Bolt Thrower - Nachkriegsschauplatz

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Heute war für mich ein trauriger Bügeltag, denn als ich in meinen Wäschekorb griff und mein Businessunterhemd auf mein Bügelbrett hievte, wurde ich daran erinnert, dass bereits vor längerer Zeit meine Lieblingssympathieband ihre „Todesanzeige“ veröffentlichte. Die englische Panzermacht Bolt Thrower gab nach genau dreißig Jahren ihr Ende bekannt.

Die Schaffensphase von Bolt Thrower ist auch heute noch einzigartig, nicht nur im Prügelsektor. Die Band, die fast alle Handgriffe im Business selbst in die Hand nahm, begann ihren Siegeszug mit einer Mischung aus Punk, Hardcore, Thrash Metal und einer Prise Crust. Sogar John Peel war so begeistert von der Musik, dass er Bolt Thrower zu seiner legendären Peel Session einlud. Die Band bekam mehr Aufmerksamkeit und hatte bald einen Plattenvertrag im Panzerhandschuhfach.

1988 erschien mit In Battle There Is No Law! das extrem rumpelige und unbarmherzige Debüt, das jedoch noch unter einem miserablen Sound litt und somit nur erahnen ließ, welche Detonationen die Band in den kommenden Jahren zünden würde. Ein Jahr später war es allerdings soweit: Realm of Chaos: Slaves to Darkness rollte gnadenlos durch die beginnende Blütezeit der Death Metal-Welle und hinterließ zum ersten Mal den für Bolt Thrower so berühmten „Nachkriegsschauplatz“. Mit Realm of Chaos fand die Band zu ihrem unverwechselbaren und bis heute einzigartigen Stil: Kettenfahrzeugriffs, singende Panzer, tanzendes Haubitzendrumming und gewaltige Flak-Batterien. Gerade weil auf Realm of Chaos ein Spagat zwischen altem Chaossound und zukünftiger Soundwand vorherrscht, gehört dieses Album zu meinen Top 3 der Band.

War Master, das dritte Werk aus dem Jahr 1991, schoss die Band dann endgültig in die Sphären der großartigsten Death Metal-Bands auf dem Erdenreich. Produziert von Colin Richardson, wurde mit War Master der typische Bolt Thrower-Sound zur Vollendung getrieben. War Master war auch gleichzeitig das letzte Album, auf dem das Chaos im Sound bei der Kriegsführung mitentscheiden durfte.

Mit The IVth Crusade (1992), ...for Victory (1994) und Mercenary (1998) veröffentlichte die Band für mich ihre drei größten Klassiker. Spielerisch war die Band mittlerweile unglaublich mächtig, webte die irrsinnigsten Melodien zwischen Riffpower und Tempowechseln und perfektionierte ihren Sound zur unkopierbaren Panzerschlacht.

2005 erschien mit Those Once Loyal das letzte Werk. Vielen Dank an Jo Bench – die schärfste und authentischste Bassfrau im Langhaarsektor, Barry Thomson und Gavin Ward – das mächtigste Gitarrenduo, das der Death Metal je hervorgebracht hat, Karl Willetts – der einzig wahre Panzergeneral – und natürlich Andrew Whale und den leider viel zu früh verstorbenen Martin Kearns – ihr habt mit eurem wichsfreien Schlagzeugspiel die Kriegsmaschine erst zum Rollen gebracht!

Montag, 30. April 2018

Arcturus - Aspera Hiems Symfonia

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Aspera Hiems Symfonia von ARCTURUS ist in jeder Hinsicht ein ganz besonderes Album. Nicht nur, dass dieses Werk eine meiner ersten Berührungen mit dem Black Metal war, nein, es ist auch heute noch einfach ein wunderbares Album.

Eigentlich ist Aspera Hiems Symfonia auf den ersten Blick viel zu melodisch, zu bombastisch, zu sanft und zudem noch mit einem unerhörten Keyboard-Overkill aus der Deluxe-Klasse überzogen. Soundtechnisch ist Aspera Hiems Symfonia auch nicht gerade ein Vorzeigealbum, aber alles ist vergessen, wenn Garm mit seiner Stimme, ob klar oder knurrend-kreischend, für so einige magische Momente sorgt.

Neben der überragenden Leistung des charismatischen Garms sind es gerade die eigentlich schon viel zu überzogenen Melodien, die aus Aspera Hiems Symfonia einen echten Klassiker der Black Metal-Szene formen. Da wären auf der einen Seite die für damalige Verhältnisse ungewöhnlichen Gitarrensoli und Leads von Gitarrist Carl August Tidemann, der teilweise Malmsteen-artig vom Leder zieht, dass man denkt, er habe sich bei den Aufnahmen bestimmt im Studio verlaufen. Auf der anderen Seite stehen die – das muss man einfach zugeben – wunderschönen Keyboard- und Synthesizer-Sounds sowie die Klasse von Sverd, dem eigentlichen Kopf von ARCTURUS.

Beides zusammen würde schon ausreichen, um für Walt Disney die zukünftigen Soundtracks zu komponieren. Doch in Wirklichkeit wurden auf diesem Werk immer noch die tollsten Melodien und ausuferndsten Harmonien im Black Metal erschaffen. Ja, es ist teilweise kitschig, grundlos überzogen, pompös und richtig dick aufgetragen, aber es besitzt – und das unterscheidet dieses Album bis heute von dem ganzen anderen melodischen Black Metal-Karneval – Klasse, fantastische Songs, Charme und erstklassige Musiker. Zudem stellt Aspera Hiems Symfonia einfach einen Ausbruch aus den Genre-Grenzen dar. Ähnlich wie VED BUENS ENDE und FLEURETY gehören ARCTURUS zu den Vorreitern des anspruchsvolleren Black Metal, auch wenn ARCTURUS auf Aspera Hiems Symfonia noch weit davon entfernt waren, was sie mit den nachfolgenden Alben kreieren sollten.

Und wenn das alles schon richtig interessant klingt, sollte man nicht vergessen, dass der Motor auf diesem Album Hellhammer heißt, bekanntermaßen ein hirntoter Meister-Drummer. Musikalisch sind hier also wahre Könner am Werk, was man auch mit jeder Sekunde heraushört. Doch musikalische Superfähigkeiten sorgen nicht automatisch für gute Musik. Bei ARCTURUS ragt zum Glück das spannende und talentierte Songwriting hervor, nicht die Perfektion der Musiker – auf frickelige progressive Einschübe wurde zum Glück komplett verzichtet, da diese auch überhaupt nicht zum Sound der Norweger gepasst hätten.

Dass hier unbestreitbar auf hohem Niveau musiziert wird (im Gegensatz zu den folgenden Alben noch etwas begrenzt), kann man besonders auf dem Opener To Thou Who Dwellest In The Night mit seinem Drachentöter-Gitarrensolo, dem grimmigen Atmosphärenhammer Raudt Og Svart, der aus heutiger Sicht wohl einen Klassiker darstellt, und natürlich Fall Of Man, dem wohl größten Schlüpferstürmer, der der norwegischen Black Metal-Szene entsprungen ist, hören. Fall Of Man besitzt wohl die größte Keyboardmelodie jenseits von Gut und Böse und lebt von seinem barocken Grundtenor, den Sverd federleicht aus seinem Tastengerät entlockt.

Klingt alles überhaupt nicht grim und frostbitten? Stimmt! Denn genau das wird man kaum bis gar nicht auf Aspera Hiems Symfonia finden, und gerade deswegen ist dieses Album so grandios, so faszinierend. Dieses Album, das 1996 einfach so von großen Black Metal-Persönlichkeiten komponiert und ohne Rücksicht auf Verluste veröffentlicht wurde, hat etliche Bands beeinflusst. Nebenbei sind auch einige der schlimmsten musikalischen Verbrechen der Szene auf dieses Album zurückzuführen, denn es öffnete den Weg für viele talentierte Bands und erschuf ein komplett eigenes Klanguniversum.

Natürlich sind die Nachfolger um Meilen besser, interessanter, komplexer, verrückter, musikalisch richtig groß und immer noch unangetastete Meisterwerke, aber Aspera Hiems Symfonia hat den gewissen Klassiker-Status. Es war und ist ein wichtiges und einflussreiches Werk für die Black Metal-Szene, auch wenn man das genauso gut über den direkten Nachfolger La Masquerade Infernale sagen muss. Mehr gibt es dann auch fast nicht mehr zu sagen, außer, dass dieses Werk eines der wenigen Werke aus Norwegen ist, das von mir auch heute noch regelmäßig mit viel Liebe konsumiert wird..