Sonntag, 22. April 2018

Massive Attack - Mezzanine

Massive-Attack-Mezzanine

Neben Portishead so ziemlich die wichtigste und einflussreichste Trip-Hop-Truppe, die 1998 mit Mezzanine das für mich bedeutendste Werk dieses Genres abgeliefert hat – das High-End-Produkt dieser Musik. Im Gegensatz zu den beiden nicht minder genialen Vorgängern wird von Anfang an eine eher düstere und verrauchte Aura erzeugt. Es gibt Gitarren, echte Drums und wummernde Bässe zu bestaunen. Auf Mezzanine stimmt die Balance aus Elektronik, Samples, Rockelementen und großartigen Stimmen, sodass es eigentlich kaum zu fassen ist, dass dieses Album von Menschen erschaffen wurde. Und das kreative Trio hinter Massive Attack ist für mich die Definition von Ausnahmemusikern. Für mich nicht nur eines der wichtigsten und besten Alben der 90er, sondern auch eines der durchdachtesten und genialsten Alben der Pop- und Rockmusik.

Mittwoch, 7. März 2018

Journey - Escape

Journey-Escape

DAS AOR-Monster. Geht immer und überall. Das Gitarrengenie Neal Schon kloppte sich hier 43 Minuten lang Lehrmaterial für die Nachwelt aus den Saiten, während Steve Perry wie eine Nachtigall mit seinem Wunderorgan Refrains für die Ewigkeit in unserem Sonnensystem verankerte. Der heimlich versauteste Musiker auf Escape ist aber Ross Valory, der mit seiner Brillanz am Bass und seinem Spiel aufzeigt, wie wichtig dieses Instrument eigentlich ist. Don’t Stop Believin' ist nebenbei, sollte auch klar sein, einer der fantastischsten Erdensongs.

Sonntag, 25. Februar 2018

Cradle Of Filth - Vempire or Dark Faerytales in Phallustein

Cradle-Of-Filth-Vempire-or-Dark-Faerytales-in-Phallustein

Ok, lassen wir mal den Namen CRADLE OF FILTH außen vor und konzentrieren uns nur auf die Musik, denn diese ist auf Vempire herausragend. Black Metal im eigentlichen Sinne bieten CRADLE OF FILTH auf ihrem einzigen Album, welches ich auch heute noch für überragend halte, nicht unbedingt. Aber wen interessiert das, wenn es so erstklassig komponiert ist und einen ganz bestimmten Reiz ausübt?

Bis Cruelty and the Beast (1998) hatte ich den Weg der Engländer verfolgt, um danach zu erkennen, dass CRADLE OF FILTH mit Vempire das einzige Album veröffentlichten, das mich begeistern konnte. Nur auf Vempire klangen die Engländer so ausgewogen und perfekt ausbalanciert, und dazu gleichzeitig aggressiv und dramatisch.

Das Debüt The Principle of Evil Made Flesh (1994) brachte mich bei der Veröffentlichung zum Schmunzeln, Dusk… and Her Embrace (1996) ist ein katastrophal produziertes Gothic-Scheibchen, und Cruelty and the Beast landete sofort wieder auf dem Flohmarkt. Danach wurde die Band für mich völlig uninteressant, nur Vempire lege ich bis heute immer wieder gerne auf.

CRADLE OF FILTH haben auf diesem Album die perfekte Mischung aus aggressivem Black Metal, Heavy Metal, Gothic Metal und Horroratmosphäre erschaffen, die mich auch heute noch begeistern kann. Druckvoll produziert, stehen die Gitarren nicht im Hintergrund und dominieren größtenteils den Sound auf Vempire, die durch das drückende Schlagzeugspiel von Onkel Fester immer wieder angetrieben werden.

Selbstverständlich gibt es jede Menge Keyboards zu hören, die aber glücklicherweise nicht im Vordergrund stehen, sondern die mystische Atmosphäre wunderbar untermalen und für ein paar grandiose Momente sorgen. Überraschenderweise fällt Vempire gegenüber den anderen Alben sehr „metallisch“ aus, ist durchweg fantastisch komponiert und musikalisch wird genug Abwechslung geboten.

Über den Gesangsstil von Dani Filth kann man sich streiten, aber so nervig wie auf dem Debüt, so schrill wie auf Dusk… and Her Embrace und so beschissen wie auf Cruelty and the Beast klingt er auf Vempire jedenfalls nicht. Songs wie The Forest Whispers My Name, Nocturnal Supremacy oder das völlig geniale Queen of Winter, Throned bringen mich auch heute noch zum Tanzen.

Auch wenn ich nicht der größte Fan der Band bin, kann ich bis heute Vempire eine Menge abgewinnen und bin auch der Meinung, dass CRADLE OF FILTH mit diesem Album eines der bedeutendsten melodischen „Black“ Metal-Werke der Neunziger erschaffen haben – selbst die Konkurrenten DIMMU BORGIR konnten da nicht wirklich mithalten.

Freitag, 23. Februar 2018

Kyuss - Welcome To Sky Valley

Kyuss-Welcome-To-Sky-Valley

Wie klingt es wohl, wenn man mit einem (Krause)DUO mit 34 mph durch die Mojave-Wüste donnert? Kyuss, die Stoner Rock-Legende schlechthin, haben mit ihren letzten drei von insgesamt vier Studioalben unantastbare Legenden der Hitzewellen-Musik erschaffen. Es gibt keine andere Band, die den Zeitgeist der frühen Black Sabbath so perfekt und dennoch mit einer ganz eigenen Marke in die Neunziger transformierte und dabei so cool und mitreißend klang, wie es Kyuss auf ihren drei Momenten der Lust taten.

Dabei ist Welcome to Sky Valley noch mal von allem so viel mehr und mehr und mehr. Wichtigstes und berauschendstes Brandzeichen im Sound von Kyuss – und bei Welcome to Sky Valley eine ganz eigene Hausnummer – ist der staubtrockene Druck im Hirn namens Josh Homme-Gitarrensound, welcher kongenial von Scott Reeders verschlingender Bassbalz begattet wird.

Und jetzt stellt man sich mal für ein paar Minuten vor, dass es das schon war, keine weiteren Instrumente. Denn bereits das allein ist die Essenz, die Soundkrypta von Kyuss. Die monströse Vereinigung von Wüstenriffs und Staubbrummen wurde mir auf keinem anderen Album so konsequent und authentisch um die Ohren gezwiebelt wie hier, wo Homme und Reeder abziehen. Hinzu kommt natürlich auch der fantastische, schweißtreibende Brant Bjork-Beat an den Dampfkesseln und der formidable Geckogesang von John Garcia, die die Songs atmen lassen. Supa Scoopa and Mighty Scoop, Demon Cleaner, Gardenia, 100°, Asteroid, Conan Troutman oder Whitewater sind Stopfsongs, vollgepresst mit Sand, Sonne und Trockenheit, und verwandeln meine Knochen in porös-brüchige Materie.

In seiner eigen- und einzigartigen Soundästhetik ist Welcome to Sky Valley vielleicht sogar das kultigste Rockalbum der letzten 20 Jahre.

Freitag, 16. Februar 2018

Mercyful Fate - Melissa

Mercyful-Fate-Melissa

„Melissa“ von Mercyful Fate ist eines dieser Alben, bei dem man kaum glauben kann, dass es ein Debüt ist. Für mich ist es nicht nur besser als der ebenfalls aberwitzige Nachfolger „Don’t Break the Oath“, sondern schlichtweg das beste klassische Heavy Metal-Album überhaupt. Es ist die Quintessenz dessen, was Heavy Metal in seiner pursten, rohesten Form ausmacht: grandiose und verschachtelte Riffs, Gitarrensoli, die so technisch brillant wie melodisch sind, und eine Produktion, die gleichzeitig rau und doch perfekt abgestimmt ist.

Die Gitarrenarbeit auf „Melissa“ ist schlicht und ergreifend eine Wucht. Hank Shermann und Michael Denner liefern hier Riff um Riff, Melodie um Melodie ab, als gäbe es kein Morgen. Man fragt sich unweigerlich, wie es möglich ist, dass eine Band bereits auf ihrem Debüt ein solches Feuerwerk an Einfällen zündet. Die Harmonie zwischen den beiden Gitarristen ist atemberaubend – sie ergänzen sich perfekt, wechseln nahtlos zwischen rhythmischen Attacken und epischen Soli, die sich sofort ins Gehirn brennen. Besonders Songs wie ‚Evil‘ oder ‚Curse of the Pharaohs‘ zeigen dieses Zusammenspiel in Perfektion. Diese Songs sind nicht nur ikonisch, sie sind der aufbauende „Stolz“ einer ganzen Szene, die durch Mercyful Fate eine neue Dimension bekam.

Doch die Gitarren sind nur ein (enorm großer) Teil der Magie von „Melissa“. King Diamonds Stimme ist ein Kapitel für sich. Sein überbordender Gesang, der von tiefem, diabolischem Knurren bis hin zu seinen legendären Falsett-Exzessen reicht, ist so einzigartig wie verstörend. Besonders in dem epischen ‚Satan’s Fall‘ überschlägt sich seine Stimme derart, dass man unweigerlich und instinktiv vor Begeisterung seinen Sack schützend in den Händen hält, um die Männlichkeit zu bewahren. Die Intensität, die King Diamond hier an den Tag legt, sucht ihresgleichen und hat bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren. Er klingt wie ein Wahnsinniger, der gleichzeitig die ganze Macht und Boshaftigkeit der Hölle heraufbeschwört und dabei jeden, der zuhört, in einen tranceartigen Zustand versetzt.

Ein weiteres unschätzbares Highlight ist das Bassspiel von Timi Hansen. Sein Bass läuft nicht einfach nebenher, er ist ein integraler Teil des Albums. Die Linien, die er in Stücken wie ‚Into the Coven‘ oder ‚Black Funeral‘ spielt, sind komplex und doch unglaublich druckvoll – sie verleihen dem Sound einen erdigen, fast 70er-Jahre-mäßigen Mief, der perfekt zum muffigen, düsteren Soundbild passt. Das alles wird von der großartigen Produktion von Henrik Lund zusammengehalten, die dafür sorgt, dass jedes Instrument zur Geltung kommt, ohne die rohe Kraft und Authentizität des Sounds zu verwässern. Diese Mischung aus Old-School-Vibe und technischer Präzision macht „Melissa“ zu einem zeitlosen Klassiker.

Und dann ist da natürlich der übergreifende Einfluss dieses Albums. Man kann den Wert von „Melissa“ für die Entwicklung des Black Metal nicht hoch genug einschätzen. Dieses Album war wegweisend – es schuf eine Brücke zwischen dem klassischen Heavy Metal und den dunkleren, extremen Klängen, die später den Black Metal definieren sollten. Doch es wäre zu kurz gegriffen, „Melissa“ nur auf seinen Einfluss zu reduzieren. Es ist nicht nur ein Meilenstein, sondern auch ein emotional intensives, technisch brillantes und einfach verdammt gutes Album, das in seiner Gesamtheit schlichtweg perfekt funktioniert und den Gipfel des klassischen Heavy Metal der Achtziger darstellt.