Kennt ihr das? Man ist in ein Album so verliebt und möchte der ganzen Welt beschreiben, wie grandios und mächtig die Musik ist, findet aber nicht mal ansatzweise die passenden Wörter, um dem Werk wenigstens annähernd gerecht zu werden. Man macht sich eigentlich nur selbst etwas vor und weiß genau, dass das eigentlich Stuss ist, was man da gerade geredet oder geschrieben hat.
Fällt mir eigentlich nie besonders schwer, aber bei Fas - Ite, Maledicti, in Ignem Aeternum ist das genau der Fall. Drei Reviews hatte ich bereits verfasst, alle drei sind wieder im virtuellen Papierkorb gelandet. Ich habe mich selbst geschämt und mir Leibesstrafen zugefügt, weil ich nicht die richtigen Wörter und Sätze gefunden habe, und habe es dann aufgegeben und eingesehen, dass es bei diesem Monster einfach keinen Sinn hat.
Musikalische Abgründe, Seelenpein, geordnetes Chaos und lustvolle Schmerzen – ein Fest für die schlechten Momente im Leben. Droge, Ritual, Moloch Angst und Fiebertraum – Gewürz des Lebens. Es ist verrückt, sinnlos Wörter aneinanderzureihen, zu versuchen, zu beschreiben, zu verstehen und zu verarbeiten. Das Album kann nicht erklärt werden, es ist nichts weiter als ein unendliches schwarzes Loch, ein Strudel in die Finsternis. Wie oft ich dieses Album drei, viermal hintereinander gehört habe, immer wieder gelähmt war und einfach nicht begriffen habe, was eigentlich gerade passiert ist.
Ich wollte das Album aber hier noch mal anpreisen, wachrütteln und zur Messe rufen. Es gibt nichts Besseres oder Vergleichbares, als sich dieses Werk alleine mit Kopfhörern in einem kalten, dunklen Keller anzuhören.
Mehr habe ich nicht zu sagen, und langsam geht mir hier im Keller der Akku aus. Wer das Wort Black Metal vermisst, hat leider nichts verstanden.
Freitag, 26. Januar 2018
Deathspell Omega - Fas - Ite, Maledicti, in Ignem Aeternum
Sonntag, 21. Januar 2018
Acid Bath - When The Kite String Pops
Die zitternde und bestialische Gesangsdarbietung von Dax Riggs in Kombination mit den Fallout-Gitarrenriffs und dem unkontrollierten Schlagzeugchaos ergeben eine hoch ätzende Mischung, die den typischen Acid Bath-Sound erzeugt. Trotz der selbstzerstörerischen, negativen Grundstimmung und dem ständigen Gefühl von Unbehagen erzeugt When The Kite String Pops einen unwiderstehlichen Sog.
Es gibt auch zwei Songs, an die man sich klammern kann, um nachhaltig in die finstere Suppe furchtlos komplett einzutauchen: Finger Paintings of the Insane und Scream of the Butterfly sind die beiden "Hits" auf dem Album, um die ein wahrhaft finsterer Trip in die Abgründe der menschlichen Psyche ausgeschieden wurde.
When The Kite String Pops ist nicht nur ein Stimmungskiller, sondern eine verzweifelte Gallewolke für alle Wutgrummler.
Dienstag, 16. Januar 2018
Léon
Regie: Luc Besson, 1994
Léon gehört wohl zu den von mir am häufigsten gesehenen Filmen meiner Jugend, und gestern Abend hat mir die schwarze Steelbox aus dem verbogenen Regal zugezwinkert. Kurzerhand habe ich den Film mit Liebe in die Betamax-Maschine geschoben. Nun, der Film ist mittlerweile über zwanzig Jahre alt, Natalie Portman ist nicht nur zu einer wunderhübschen Frau herangewachsen, sondern gehört zu den besten weiblichen Schauspielerinnen der aktuellen Dekade, und über Oldman und Reno muss man wohl keine Worte mehr verlieren.
Über zwanzig Jahre – und der Film schwebt immer noch wie eine gewaltige Gewitterwolke über den ganzen Mickey-Maus-Bullshit, der danach aus diesem Genre kam. Luc Besson hatte vorher schon mit Subway, Le Grand Bleu und dem eiskalten und düsteren Nikita rohe Diamanten abgeliefert, aber was er 1994 mit Léon geschaffen hat, ist nichts weiter als ein herausragender und im Gedächtnis bleibender Klassiker der Neunziger.
Der schüchterne Reno verkörpert für mich den vielleicht großartigsten Killer der Kinogeschichte; sein Gegenüber (Oldman) ist sogar noch einen Tick großartiger, wenn er Pillen schluckt, Beethoven hört und beim Fluchen sein Kopf zu explodieren droht. Wie Oldman da in seiner Rolle aufgeht! Das allein ist schon übernatürlich gut inszeniert und gespielt, aber Besson erzählt zudem eine rührende und knallharte Geschichte – spannend, interessant und liebevoll ausgearbeitet.
Und dann wäre da noch die bezaubernde Natalie Portman – eine komplette Traumbesetzung, und die Leistung dieser drei Schauspieler ist einfach fantastisch. Es fällt mir wirklich kein einziger ähnlicher Film ein, der auch nur annähernd danach wieder so intensiv und spannend inszeniert wurde, in dem Story, Schauspiel und Bilder zu 100 % zusammenpassen. Leider muss man auch erkennen, dass wohl solche (gewagten und schonungslosen) Filme – man denke nur mal an die Hinrichtung der Familie inklusive Kind und die Beziehungsgeschichte um Reno und Portman – nie wieder gedreht werden.
Dass man sich Zeit nimmt, tolle Figuren präsentiert, spannend und intensiv erzählt, mutig ist, Bilder zeigt, die für die Ewigkeit bestimmt sind, wo Action noch wirklich Action ist, und man nicht ständig die gleichen austauschbaren und auf den Massengeschmack getrimmten Gesichter sieht, sondern kantige, raue, nicht unbedingt „hübsche“ (bis auf Portman) Charaktere, die aber im Kopf bleiben. Ein perfektes Märchen, von Besson unglaublich sicher und überragend inszeniert, und drei Schauspieler, die dafür sorgen, dass man diesen Film einfach nicht vergisst.
Ich vermisse solche Filme heutzutage wirklich sehr.
Sonntag, 14. Januar 2018
Slayer - Seasons In The Abyss
Ich war nie der große Slayer-Fan, Thrash Metal ist auch nicht wirklich meins, deswegen vergöttere ich auch kein Reign in Blood, welches wohl allgemein als eines der 10 größten Heavy Metal-Alben angesehen wird, mir aber nicht viel hergibt. Allerdings hat sich die Band nach den ersten drei Holterdipolter-Alben in eine ernstzunehmende Bestie verwandelt, die ihre Fratze zwar schon auf Reign in Blood aufblitzen ließ, aber erst mit South of Heaven aus dem Limbus emporstieg. Zusammen mit Seasons in the Abyss sind es auch genau diese beiden Werke, die richtig gut sind – und zwar durchgehend. Endlich kamen Strukturen zu den Songs hinzu, das Tempo wurde massiv gedrosselt – dadurch wurde die Musik bei weitem brutaler und drückender, und die Songs waren beeindruckende Riffgebilde, die durch die Hanneman- und King-Riffs Eruptionen in der Musiklandschaft erzeugten und riesige Pockennarben hinterließen. Um die Mutti im besoffenen Zustand zu karnickeln, ist dieses Album wie geschaffen.
Emperor / Enslaved - Emperor / Hordanes Land
Die damals noch sehr jungen Bands EMPEROR und ENSLAVED waren Anfang der Neunziger die wohl interessantesten und aufstrebendsten Bands der zweiten Black Metal-Welle. Beide Bands grenzten sich bereits mit ihren ersten Demo-Veröffentlichungen von der norwegischen Black Metal-Szene ab. EMPEROR benutzten Keyboards, um ihren majestätischen Sound noch ausdrucksstärker zu gestalten – damals eine absolute Seltenheit. ENSLAVED hingegen komponierten epische, aber zugleich rasend-wilde Songs, die die 10-Minuten-Grenze locker überschritten.
Mit ihren jeweiligen EPs Emperor und Hordanes Land aus dem Jahr 1993 erschufen die baldigen Szenen-Größen zwei der Sternstunden der zweiten Black Metal-Welle. Ein paar Monate später veröffentlichte Candlelight Records die beiden Werke zusammen als eine tonnenschwere Kult-Split-EP, die bis heute innerhalb der Szene als eine der bedeutendsten und richtungsweisendsten Veröffentlichungen der Black Metal-Szene gilt.
Eröffnet wird diese Split-EP von EMPERORs erster EP Emperor, welche vier Songs enthält und schon vorwegnimmt, was das ein Jahr später veröffentlichte Album In The Nightside Eclipse in der Black Metal-Szene auslösen sollte. I Am The Black Wizards, bis heute einer der zehn wichtigsten Black Metal-Songs aller Zeiten, präsentiert eine unglaublich talentierte junge Band, die musikalisch Bands wie MAYHEM, BURZUM, DARKTHRONE oder IMMORTAL meilenweit hinter sich ließ. Eine solche kompositorische Raffinesse war damals ein Novum in der Szene. Wilde, majestätische Raserei trifft auf epische Keyboardflächen und abwechslungsreiches Songwriting.
Die Stimme von Ihsahn gehörte ab sofort zu den markantesten der gesamten norwegischen Szene, die betörenden, niemals aufdringlichen Keyboards waren nur das i-Tüpfelchen. Mystisch und geheimnisvoll tönen die vier Songs, spannend, wild und gnadenlos entschlossen, den schwarzen Thron an sich zu reißen. Jeder der vier Songs besitzt eine unglaublich magische Aura – vielleicht liegt es am ungeschliffenen Sound, dem jugendlichen Fanatismus oder einfach nur an der Gabe, dass EMPEROR in der Lage waren, grandiose Songs zu schreiben, an denen jede Black Metal-Band zu dieser Zeit gemessen werden musste. Allein aus Cosmic Keys to My Creations and Times hätte damals jede norwegische Black Metal-Band ein ganzes Album füllen können. EMPEROR hingegen komponierten eine Vielzahl solcher grandiosen und bis heute einmaligen schwarzen Hymnen.
Dass EMPEROR 1994 mit ihrem lang erwarteten Debüt In The Nightside Eclipse endgültig Black Metal-Geschichte schrieben und eines der zehn wichtigsten Werke dieser Szene ablieferten, ist heute schon eine alte Geschichte. Auch heute noch gehört Emperor zu den inspirierendsten und wichtigsten Veröffentlichungen für junge Black Metal-Bands. EMPEROR gelten unter Szenekennern als die vielleicht beste, mit Sicherheit aber als die kreativste Band der zweiten Black Metal-Welle.
Noch beeindruckender ist ENSLAVEDs Beitrag Hordanes Land, das drei überlange Songs enthält. Auf Hordanes Land hinterließen ENSLAVED ein nie wieder erreichtes Klangbild – eine Kraft, die man auf keinem der beeindruckenden Alben der Band wiederfand. ENSLAVED erschufen barbarische Stürme und begründeten den sogenannten Viking Metal, der heute dank ausgestoßener finnischer Zirkusmutanten zu einem der größten Geschwüre der Heavy Metal-Szene herangewachsen ist. Viking Metal hatte bei ENSLAVED jedoch nichts mit Akkordeon, Volksmusikanten-Keyboards und stumpfen Hüpfrhythmen zu tun. Genauso wenig wurden Texte, Symbolik, Cover oder ein unerträglich übertriebenes und lächerliches Odin-Image über die Musik gestellt.
Die Musik der frühen ENSLAVED ist ungestüm, roh, kalt, barbarisch, rasend, wild und – das Wichtigste – sie ist absolut ehrlich! Zugleich wird eine unglaublich intensive Atmosphäre in den drei Songs erschaffen. Besonders herausragend ist dabei Slaget I Skogen Bortenfor (Epilog / Slaget), für mich der intensivste und grandioseste Song, den ENSLAVED in ihrer langen Karriere komponiert haben. Mit welcher Entschlossenheit hier ein Sturm aus unglaublich sägenden und fauchenden Riffs kreiert wurde, in Kombination mit Tryms unfassbarem Hochgeschwindigkeits-Drumming und den dezenten Keyboardflächen, wurde bis heute von keiner Band wieder erreicht.
Auch hier kann man ohne zu zögern behaupten, dass dieser Song zu den wichtigsten Eckpfeilern der zweiten Black Metal-Welle zählt. Wenn man ehrlich ist, erschaffen ENSLAVED eine noch viel intensivere und majestätischere Atmosphäre als EMPEROR. Besonders Grutles mit viel Hall unterlegtes, aggressives und markerschütterndes Gekreische gehört zu den besten Leistungen der Black Metal-Szene. Allfáðr Oðinn reiht sich gleich hinter Slaget I Skogen Bortenfor (Epilog / Slaget) zu einem weiteren Klassiker ein. Das abschließende Balfár (Andi Fara / Prologr) ist vielleicht das fieseste und mitreißendste Stück von ENSLAVED.
Keine andere Band – vielleicht noch HADES und frühe HELHEIM – konnte jemals diesen Sound wieder aufgreifen, selbst ENSLAVED schafften es nie wieder, so einen Sturm zu entwickeln. Heute gelten ENSLAVED als eine der anspruchsvollsten Extrem Metal-Bands aus Skandinavien, variierten ihren Sound fast auf jeder Veröffentlichung und entwickeln sich stets weiter. Die eindrucksvollste und bedeutendste Veröffentlichung neben dem Frost-Album von 1994 ist und bleibt aber Hordanes Land – für mich das Denkmal des ursprünglichen Viking Metal.
EMPEROR und ENSLAVED gelten als die musikalisch besten Bands der zweiten Black Metal-Welle. Dies konnte man bereits zu Beginn ihrer Karriere auf vorliegendem Tondokument demütig feststellen.