Dienstag, 23. August 2016

Type O Negative - Slow, Deep And Hard

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Nach der Auflösung von Carnivore gründete Peter Steele, der zu den zehn prägnantesten Persönlichkeiten im Heavy Metal gehört, mit Type O Negative eine der markantesten, herausragendsten und wichtigsten Bands in der Geschichte langer Männerhaare. Es ist schon fast unverschämt, dass Type O Negative mit ihrem Debüt nicht nur das beste Album ihrer Karriere abgeliefert haben, sondern mit Slow, Deep and Hard ein Unikat in Sachen Hass und Bösartigkeit geschaffen haben, das bis heute in dieser Form unerreicht ist. Slow, Deep and Hard ist nicht nur ein Klassiker der Extreme, sondern eines der ganz großen Meilensteine der harten Musik.

Die überlangen und unaussprechlichen Songs sind spielerisch nicht einmal besonders anspruchsvoll, sondern von einer Rohheit und Direktheit geprägt, die sich direkt ins Knochenmark bohrt. Die abnormale Mischung aus punkwildem Hardcore, Zeitlupen-Doom, Schmerzmittel-Gothic und ruppigem Thrash Metal wurde auf keinem anderen mir bekannten Album mit solch einer Höllenintensität vertont, wie es die vier Brooklyn-Boys hier (aus)leben.

Textlich überschreitet das Album Geschmacksgrenzen in einer Weise, dass es eine wahre Freude ist, den angepissten Ausbrüchen von Peter Steele zu lauschen. Das ist allerdings nichts für nervenschwache Gemüter, denn wenn man den derb-bitteren Sarkasmus, den überzogenen schwarzen Humor und den teilweise persönlichen Hintergrund in Steeles Texten nicht erkennt, kann das durchaus auch abstoßend wirken. Auch wenn die Band eher für den Schlüpferstürmer Bloody Kisses und den Blockbuster October Rust bekannt und berühmt ist, ist es dieses Über(menschen)debüt, das in seiner Einzigartigkeit und Pracht eine Sonderstellung im Bereich „Hart & Laut“ innehat.

Peter Steele verstarb am 14. April 2010 im Alter von 48 Jahren an einem Herzinfarkt, und mit ihm endete auch die Band Type O Negative. Trauriger ist eigentlich nur die Tatsache, dass mit Peter Steele eine große Persönlichkeit, ein charismatischer Charakterkopf und ein kantiges Unikat eine Lücke hinterließ, die nicht geschlossen werden kann.

Celtic Frost - Into The Pandemonium

Celtic-Frost-Into-The-Pandemonium

Bügelt ihr auch so gerne wie ich? Man denkt sich den ganzen Tag bei der Arbeit: „Ist die Wäsche auf der Leine schon trocken?“ und „Welches Album lege ich heute dazu auf?“ Into the Pandemonium von Celtic Frost gilt bei mir als der ganz große Wurf der Band.

Die Schweizer hatten auf diesem Klassiker ihre Pforten geöffnet und allerlei Fremdeinflüsse in ihren bis dato urigen und gewaltigen Krachsound Einlass gewährt. 1987 war Heavy Metal längst nicht mehr die NWoBHM-Schunkelmusik, die härtere Version von Rock und Punk aus den Siebzigern; Maiden, Priest & Co. strauchelten nur noch vor sich hin, während Metallica, Slayer & Co. sowie der weltweite Underground die Musik in immer neue Härtedimensionen rumpelten.

Und dann kamen plötzlich die Schweizer mit ihrem Zweitwerk daher und hinterließen wohl (ich selbst hörte damals noch Petra Zieger, Frank Schöbel und IC Falkenberg im Kindergarten, also kann ich nicht als Zeitzeuge dienen) eine Menge hämmernder Fragezeichen beim tobenden Mob.

Während Celtic Frost auf ihren beiden EPs und dem Vorgänger den Protosound für die spätere Death-Metal-Welle zelebrierten, gab es auf Into the Pandemonium auf einmal Disco, Bauhaus-Wave, elektronische Beatexperimente, Pop, Gothic-Tristesse, fliegende Teppiche, orientalischen Bazar-Zauber, opernhaftes Frauengesang, orchestrale Arrangements mit Pauken und Trompeten – und Thomas Gabriel Fischer sang plötzlich vereinzelt in verständlicher Sprache.

Heute läuft das unter dem Namen Avantgarde, damals war das Langhaarvolk damit wohl ziemlich überfordert. Diese größenwahnsinnige Kombination aus dem urtypischen Celtic-Frost-Sound (der Gitarrensound gehört zu den besten Momenten im gesamten Hard’n‘Heavy-Bereich) und den erwähnten Einflüssen schuf diesen kreativen Höhepunkt – ein Geniestreich, der auch nach fast dreißig Jahren zu den großen Meilensteinen der Heavy Metal-Musik zählt. Veredelt wurde diese Machtrakete mit einem wunderbaren, erdigen und warmen Sound sowie einem Ausschnitt aus der rechten Höllenseite von Hieronymus Boschs The Garden of Earthly Delights.

Übrigens wurde ein Heavy-Metal-Album nie wieder größenwahnsinniger und abgeklärter eröffnet als mit Mexican Radio.

Dienstag, 9. August 2016

Clerks



Regie: Kevin Smith, 1994

Irgendwann Ende der Neunziger habe ich diesen ersten Film von Kevin Smith mal im TV gesehen, doch er ist bei mir irgendwie völlig in Vergessenheit geraten. Man muss wohl nicht viel dazu sagen: Eine kleine Perle der Neunziger, für viele tonnenschwerer Kult und ein kleines Abzeichen dieser Zeit und der Generation der 90er Jahre.

Brian O’Halloran als Dante und Jeff Anderson als Randal verkörpern die beiden gelangweilten Nichtskönner auf überzeugend glaubwürdige Weise, auch wenn man schauspielerisch nicht allzu viel erwarten darf. Die große Stärke dieser kleinen Indie-Perle liegt in den Dialogen: Die ganzen Gespräche mit der nervenden Kundschaft (Dante arbeitet als Kassierer in einem schäbigen kleinen Lebensmittelladen, Randal übernimmt dieselbe Aufgabe in einer Videothek, die sich zwei Meter neben dem Laden befindet) und die skurrilen Situationen, die sich oft aus diesen Gesprächen ergeben, sind der Kern des Films.

Randal mag keine Menschen und verärgert mit Freude seine Kundschaft, was er auch bei Dante im Laden abzieht, da er dort oft zu „Besuch“ ist, wenn ihm langweilig ist. Dazu gesellt sich ein derber Humor, der meiner Meinung nach zwar die Fäkalgrenze, wie man sie aus aktuellen Komödien kennt, streift, aber trotz aller Zoten fast immer ins Schwarze trifft. Einige Sprüche sind auch heute noch unglaublich lustig und großartig. Der russische Metalsänger ist auch so ein kleines Highlight:

„My love for you is like a truck, Berserker. Would you like some making fuck, Berserker.“

Genau so funktioniert Heavy Metal!

Atmosphärisch ist der Film ebenfalls ganz groß, da die Bilder komplett in Schwarz-Weiß gehalten sind und die grobe Kameraführung ein ganz eigenes Bild zeichnet. Zudem besitzt der Film eine starke melancholische Note, die auf wundervolle Weise eine Generation einfängt. Für die Augen gibt es mit der damaligen Damenmode und den unglaublich hässlichen Damenfrisuren ein tolles Bild der Zeit.

Stimmig, lustig, skurril und ganz nah dran.

Donnerstag, 4. August 2016

Toto - The Seventh One

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Ich habe Toto zwar immer gemocht, sie als herausragende Musiker eingestuft und mir die Hits nie totgehört, aber so richtig mit deren Alben habe ich mich nie beschäftigt. Ich hatte auch nie das Bedürfnis, mir ein Toto-Album zu kaufen. Vor ein paar Jahren jedoch, in einem Rausch, habe ich fast den gesamten Bandkatalog von einem Kumpel aufgekauft, der gerade seine Sammlung verramschte – zu einem fairen Preis.

Hier lief dann mal IV, dann mal Isolation und Hydra. Aber alles eher nebenbei. Irgendwann kam der Tag, als The Seventh One im CD-Schacht landete. Und dieses Werk machte mich zum Fan. Mit dem Opener Pamela und seinem Mörder-Refrain hatte die Band sofort meine volle Aufmerksamkeit. Joseph Williams’ großartiger Gesang, irgendwo zwischen George Michael und einer kraftvollen Rockröhre, in Kombination mit den punktgenau komponierten Songs, ergab über das gesamte Album eine eindrucksvolle Verschmelzung von handwerklichem Können, 80er-Sound, „dicke Hose“-Radiorock und einer Hitdichte, die fast schon eitel wirkt.

Mit diesem Album veröffentlichten Toto die Blaupause für perfekten Pop-Rock und untermauerten ihren Status als Band, die einige der besten Musiker der Rockmusik beherbergte. Am bekanntesten ist dabei die Rhythmusfraktion der Porcaro-Brüder, Jeff und Mike, die leider nicht mehr unter uns weilen. Besonders Jeff gehört zu den mächtigsten Schlagzeugern der Rockmusik.

Die nächste Größe ist Steve Lukather an der Gitarre, ein Weltklassegitarrist und gefragter Studiomusiker, dessen unaufdringliches Spiel erst beim genauen Hinhören seine wahre Größe zeigt. David Paich an den Tasten ist der heimliche Wunderknabe der Band. Er zeichnet sich nicht nur als hervorragender Songwriter für die meisten Songs aus, sondern pumpt mit seinem Keyboard gewaltige Melodien in den typischen Toto-Sound.

The Seventh One ist natürlich komplett im Stil der Achtziger produziert, allerdings mit feinen Nuancen, die man erst mit der Zeit erkennt. Der allgemeine Tenor besagt ja, dass IV DAS Toto-Album ist. Für mich jedoch ist es ganz eindeutig dieses hier. Hier sind in konzentrierter Form die besten Songs aus ihrer Achtziger-Phase vertreten: das übermenschliche Stop Loving You, in dem auch Jon Anderson im Hintergrund trällert, mit seinem unfassbar leichtfüßigen Refrain, das wunderbare Mushanga mit einem unbeschreiblichen Jeff Porcaro, das pumpende Straight for the Heart, mein persönlicher Liebling Only the Children oder das epische Home of the Brave – alles Kompositionen auf einem Niveau, das nur die wenigsten Rockbands erreichen.

Trotz allem technischen Können der einzelnen Musiker drängt sich nie jemand in den Vordergrund oder spielt sinnlos an seinem Instrument herum. Auch versucht sich niemand in krampfhafter Komplexität. Die Songs von Toto sind immer klar strukturiert und songdienlich, aber unter der Haube oft technischer und abgefahrener als bei den meisten Prog-Bands.

The Seventh One gehört für mich ganz klar neben Köstlichkeiten wie Agent Provocateur und Frontiers auf den Achtziger-Altar gestellt.

Dead Congregation - Promulgation Of The Fall

Dead Congregation - Promulgation Of The Fall
Dead Congregation - Promulgation Of The Fall (CD, Martyrdoom Productions, 2014)
Promulgation of the Fall ist für mich nicht nur das beste Death-Metal-Album des bisherigen Jahrzehnts, sondern auch der lang ersehnte Thronfolger zu Gateways to Annihilation und mein persönliches Heavy-Metal-Werk des Jahres 2014. Leider hat dieses Monster viel zu wenig Aufmerksamkeit erhalten. Fehlt der Plastik in der Produktion? Der Eiter, das Blut und die weibliche Erniedrigung auf dem Cover und in den Texten? Die heimlich eingeschmuggelten Trinkhörner im Outfit? Klingt das Schlagzeug vielleicht zu unnatürlich natürlich? Liegt es am vermeintlich „lächerlichen“ Herkunftsland der Band? Ist der Sound nicht übersteuert genug? Oder sind es die muffigen, höllischen Gitarrenriffs, die auf Bodybuilder-'n'-Goldkettchen-'n'-Penisbegradigung-Zirkustheater verzichten?

Promulgation of the Fall hat alles, was ich noch am Death Metal mag. Ich war beinahe erstarrt, als mich die ersten Snare- und Bassdrumanschläge in Only Ashes Remain getroffen haben. Es fühlt sich an, als würde der Drummer seine gesamten Schlagzeugkomponenten nach mir werfen und die Bassdrum-Fußmaschinen direkt am Skrotum montieren, sodass die beiden Rosinen im Beutel im freudigen Sekundentakt wie Eiterpusteln zum Platzen gebracht werden.

Wenn dieses menschliche Drummonster auf Promulgation of the Fall komplett ausflippt, bricht förmlich ein barbarischer Sturm aus. Was für eine teerschwarze Wand aus Druck, Höllenenergie und Zerstörung! Besonders im Song Nigredo tobt in den ersten Sekunden eine schier unglaubliche Panzerschlacht auf Speed. Gewaltige Drumfontänen treiben die ätzenden Todesriffs bis an die Spitze der Bösartigkeit.

Das gnadenlose Serpentskin, das Säure verspritzende Immaculate Poison oder Schisma – für mich der mächtigste und erdrückendste Gewaltakt auf diesem Werk mit seinem verstandauslöschenden Mittelteil – sind Todesschwadronen, die in der Lage sind, Leben zu eliminieren.

Dead Congregation haben mit dieser todesmetallischen Dämonenbrutstätte für mich das gewaltigste Extremwerk dieses Jahrzehnts veröffentlicht. Es liefert den Beweis, dass eine lebendige, spürbare und am eigenen Leib vollzogene Exekution nichts weiter benötigt als erschlagende Songs, unkontrollierte Gewalt, eine Produktion nach Art des Hauses und eine unverfälscht eingefangene, schlicht unmenschliche Energie.