Freitag, 22. Juli 2011

Carcass - Necroticism-Descanting the Insalubrious

Carcass-Necroticism-Descanting-the-Insalubrious


Carcass sind eine Legende und zählen neben Napalm Death zu den wohl einflussreichsten Bands für den Grindcore. Die Bedeutung der beiden Alben „Reek Of Putrefaction“ (1988) und „Symphonies Of Sickness“ (1989) lässt sich bis heute nicht abstreiten – ihre Stellung als Klassiker und Wegbereiter im Grindcore ist enorm.

Für viele Fans waren Carcass nach „Symphonies Of Sickness“ bereits „gestorben“, denn den Weg, den die Engländer 1991 mit ihrem Meisterwerk „Necroticism – Descanting The Insalubrious“ einschlugen, ist für viele bis heute unbegreiflich. Doch gerade die Öffnung des starren Grindcore-Sounds auf „Necroticism – Descanting The Insalubrious“ macht dieses Überwerk zu einem der zehn besten Death-Metal-Alben, die jemals in Europa entstanden sind!

Carcass gewannen mit Michael Amott (später Arch Enemy, Carnage) einen der talentiertesten Gitarristen – obwohl er eigentlich Engländer ist – und verschmolzen ihren ureigenen Grindcore-Sound mit melodischen, schwedisch-ähnlichen Gitarrenharmonien und einer deftigen Portion klassischen Death Metal. Herausgekommen ist ein absoluter Meilenstein der europäischen Death-Metal-Geschichte, der bis heute einzigartig und revolutionär ist.

Alle acht Songs sind durchkomponierte Death-Metal-Highlights, die sich durch den typischen, kranken Carcass-Sound von den üblichen Death-Metal-Standards abheben. Grindcore, Death Metal, melodische Gitarrenharmonien, elektrisierende Riffs, massenweise Tempowechsel, Groove und schwedische Melodien werden so geschickt und beispielhaft ineinander verwebt, dass bis heute kein einziges Album auch nur ansatzweise an die ehrfürchtige Klasse von „Necroticism – Descanting The Insalubrious“ herangereicht hat.

Das musikalische Niveau, auf dem Carcass operieren, ist bis heute beängstigend hoch. Jeff Walker's markante „Schweinevocals“ sind bis heute einzigartig und unter Hunderten von Nachahmern sofort zu erkennen. Die musikalische Raffinesse, die Carcass auf „Necroticism – Descanting The Insalubrious“ zelebrieren, hat bis heute Vorbildfunktion, und die schon erwähnte Klasse der Gitarrenarbeit, insbesondere von Michael Amott, ist immer noch State of the Art.

Hier reihen sich Killer-Riffs an Killer-Riffs, ausgetüftelte Harmonien und Soli paaren sich mit treibendem Schlagzeuggroove, und die geschickt platzierten Breaks und Tempowechsel unterstreichen die kompositorische Klasse von Carcass. Auch die kurzen gesprochenen Intros sorgen für eine eigenständige Atmosphäre, und einen ähnlichen Hit wie „Corporal Jigsore Quandary“ besitzen die wenigsten Death-Metal-Bands.

Gerade dieser Song untermauert die Ausnahmestellung von Carcass und ihrem Meisterwerk „Necroticism – Descanting The Insalubrious“. Einen nicht geringen Anteil an der Klasse dieses Albums hat Meister-Produzent Colin Richardson, der hier wohl eine seiner besten Arbeiten ablieferte und Carcass einen unglaublich voluminösen Sound verpasste. Wie lebendig er allein die Gitarren klingen lässt, ist phänomenal. Alle Harmonien und Melodien sind gleichberechtigt neben den Grindausbrüchen in den Sound integriert, ohne erzwungen in den Mittelpunkt gerückt zu werden.

Auch der Drumsound ist wunderbar differenziert und druckvoll. Der gesamte Sound ist meisterlich in Szene gesetzt und passt hervorragend zum durchdachten Songwriting, das Carcass in dieser Form nie wieder erreichen sollten.

Spätestens nach „Necroticism – Descanting The Insalubrious“ stiegen Carcass zu den Top-Acts der weltweiten Death-Metal-Szene auf und gehörten neben Bolt Thrower und den üblichen Verdächtigen aus Schweden zur europäischen Speerspitze! Mit „Heartwork“ folgte 1993 ein zwiespältiges Album, das dem Grindcore und auch dem klassischen Death Metal weitgehend den Rücken kehrte und stattdessen eine Mischung aus melodischem Death Metal und klassischem Heavy Metal präsentierte – zur Verwirrung vieler Fans.

Auch ich kann mit „Heartwork“ nicht viel anfangen, obwohl die musikalische Klasse – wenn man genau hinsieht, ist es das ausgereifteste Carcass-Album – unbestreitbar ist. Dennoch entfernten sich Carcass immer weiter aus der Death-Metal-Szene.

Was bleibt, ist ein zeitloser Klassiker in der Geschichte des Death Metal, der auch heute noch hunderte Bands beeinflusst und in seiner Vollständigkeit bis heute unerreicht ist!

Mittwoch, 20. Juli 2011

Impaled Nazarene - Tol Cormpt Norz Norz Norz...

Impaled-Nazarene-Tol-Cormpt-Norz-Norz-Norz...

Wenn es um die großen Black-Metal-Klassiker der 90er geht, führt kein Weg an Impaled Nazarene's Meisterwerk „Tol Cormpt Norz Norz Norz...“ vorbei! Die Finnen um Oberpsychopath Mika Luttinen degradierten 1992 fast die gesamte norwegische Black-Metal-Szene und erschufen mit „Tol Cormpt Norz Norz Norz...“ eines der extremsten Werke des Black Metal.

Auch heute gehört „Tol Cormpt Norz Norz Norz...“ immer noch zu den intensivsten Höllenorgien, die jemals aufgenommen wurden. Nicht nur, dass Impaled Nazarene mit ihrem Debüt eines der fiesesten und besessendsten Black-Metal-Alben aller Zeiten kreierten – die Finnen trieben diesen Sound bis an die Grenze der satanischen Raserei.

Wo es nur geht, wird geprügelt und geschrien, alles verpackt in einem herrlich trockenen Sound und mit einer Besessenheit dargeboten, an der viele Norweger scheiterten. Mika Luttinen's abartiges Organ, sein keifendes Gekrächze und die spitzen Screams gehören auch heute noch zu den wildesten „Gesangsorgien“ der gesamten Black-Metal-Szene und sind völlig einzigartig.

Trotz all des Chaos schaffen es die Finnen immer wieder, leichte Melodien in ihre Songs zu integrieren, und sogar der Groovehammer wird oft bedient. Ob Keyboards, Samples oder irgendwelche Wortfetzen – Impaled Nazarene erschaffen mit ihrem unglaublichen Sound eine bestialische Atmosphäre, die völlig wahnwitzig klingt. Rotzig, punkig, asozial – Impaled Nazarene waren mit diesem Album 1992 ein Unikat in der Szene und zogen viele Neider aus Norwegen auf sich. Die ungezügelte Raserei erreichte kaum eine andere Band aus Norwegen.

Auch mit dem Nachfolger „Ugra-Karma“ von 1993, das ebenfalls ein Klassiker der Black-Metal-Geschichte ist, dominierten Impaled Nazarene weiterhin das Feld und grenzten sich immer mehr von der zweiten Black-Metal-Welle ab. Spätestens aber mit ihrem dritten Album „Suomi Finland Perkele“ (1994) haben sich Impaled Nazarene von einer der bedeutendsten und extremsten Black-Metal-Bands der 90er zu einer Eigenmarke entwickelt.

Auf „Suomi Finland Perkele“ ist nicht mehr viel übrig geblieben von der einstigen schwarzen Raserei – ein gezügeltes Songwriting und vermehrte Melodien beherrschten nun den Sound der Finnen. Auch außerhalb des Undergrounds wurde dieses Album sehr positiv aufgenommen. Für Black-Metal-Puristen war es jedoch das Ende der ersten und bedeutendsten Phase der Band.

„Tol Cormpt Norz Norz Norz...” bleibt für mich neben „Ugra-Karma“ das heftigste Impaled Nazarene-Album. Welchen Einfluss dieses Meisterwerk auf den Black Metal hatte, lässt sich ohnehin nicht bestreiten!

Samstag, 16. Juli 2011

Bestial Warlust - Vengeance War ‘till Death


Bestial Warlust (ehemals Corpse Molestation) gehörten zu den kultigsten Bands aus Australien und stellen gerade in der Black-Metal-Szene eine Ausnahmeerscheinung dar. Mit einem Bastard aus Black- und Death Metal knüppelten sich die fünf Sickos durch sieben bestialische Vernichtungsschläge und lieferten mit ihrem Debüt „Vengeance War 'till Death“ einen Prototyp des heutigen War Black Metal (welch eine dämliche Bezeichnung!).

Angefangen bei dem räudigen Sound, der besonders die sägenden Gitarren und das polternde Drumming hervorragend zur Geltung bringt, bis hin zum wütenden Gebrüll des Sängers Damon Bloodstorm, erschufen Bestial Warlust mit „Vengeance War 'till Death“ einen alles vernichtenden Sturm.

Musikalisch ist das vielleicht keine Offenbarung, aber gemessen an der Energie und Zerstörungskraft gehört „Vengeance War 'till Death“ zu den brutalsten Black/Death-Metal-Alben der 90er Jahre. Auch die norwegische Szene hatte damals nichts Vergleichbares entgegenzusetzen. Bestial Warlust orientierten sich viel mehr am frühen Death Metal und wilden Underground Thrash Metal – Kälte und klirrende Gitarren findet man im Sound von Bestial Warlust überhaupt nicht.

Stattdessen erzeugten die Australier einen barbarischen Feldzug, der so primitiv auf das Nötigste reduziert ist, dass man von einer schier unglaublichen Brutalität erschlagen wird. Wild eingestreute Soli, die eigentlich nur quietschende Gitarrenschrubbereien sind, ein durchweg räudiges, polterndes Drumming und wilde Brüllorgien erzeugen zusammen einen Kriegssound, der auch heute noch genauso brutal und vernichtend klingt wie 1994.

„Vengeance War 'till Death“ gehört bis heute zu den brutalsten Alben, die aus der australischen Szene hervorgingen, und wurde in seiner Radikalität kaum wieder erreicht. Auch wenn Bestial Warlust auf diesem Album keinen reinrassigen Black Metal spielten, haben sie mit ihrem 94er-Debüt einen kleinen Klassiker der Szene erschaffen. Ohne dieses Album würden Bands wie Teitanblood, Proclamation oder Truppensturm sicherlich anders klingen!

Wer allerdings auf Melodien und Ordnung steht, sollte lieber die Finger von Bestial Warlust lassen, denn hier regiert das reine, konzentrierte Chaos!

Disharmonic Orchestra - Not To Be Undimensional Conscious

Disharmonic-Orchestra-Not-To-Be-Undimensional-Conscious


Neben Pungent Stench gehören Disharmonic Orchestra zu den bekanntesten Death-Metal-Bands aus Österreich. Auf ihrem 1990 erschienenen Debüt mit dem Zungenschnalzernamen „Expositionsprophylaxe“ rumpelten sich die Sickos mit viel Charakter durch ein infernalisches Death-Metal-/Grindcore-Inferno, das heutzutage zu den Klassikern des frühen 90er-Death-Metal gezählt werden darf.

Auch die oberkultige und prägende Split-LP mit Pungent Stench (ebenfalls ein Riesen-Klassiker des Genres!) brachte der Band einen heiligen Kultstatus ein. Richtig musikalisch zur Sache ging es jedoch erst auf dem zweiten und meiner Meinung nach besten Album „Not To Be Undimensional Conscious“.

Während auf dem Vorgänger noch der Grindcore die Überhand hatte, wird man auf „Not To Be Undimensional Conscious“ förmlich mit experimentellem Progressive Death Metal überrascht. Massenweise Breaks, disharmonische Gitarrenläufe, fabelhafte Basslinien und verrückte Songideen werden hier zu einem sehr eigenständigen Gebräu verarbeitet.

Ein cooler Nebeneffekt: Es klingt trotzdem nach typischem 90er-Death-Metal – roh, brutal und mit einem hammergeilen, natürlichen Sound, ohne dabei nach Death (in ihrer musikalischen Hochphase), Atheist oder Cynic zu klingen, was das Songwriting angeht. Auch der völlig eigenständige Charme des Gesamtsounds, der weder typisch europäisch noch typisch amerikanisch klingt, trägt zur großen Klasse des Albums bei.

Auch wenn die Band immer hinter Pungent Stench in der zweiten Reihe stand, waren sie musikalisch um Längen besser als ihre Landsbrüder. Auch gegenüber vielen anderen Death-Metal-Bands dieser Zeit hatten Disharmonic Orchestra im Songwriting einiges voraus.

Leider habe ich es bis heute nicht geschafft, mir die beiden Nachfolger zu besorgen, obwohl diese musikalisch wohl in eine völlig andere Richtung gehen sollen. Egal – „Not To Be Undimensional Conscious“ sowie das Debüt „Expositionsprophylaxe“ gehören zu den unterschätzten Klassikern der frühen 90er-Death-Metal-Szene und sollten von jedem Death-Metal-Freak wenigstens einmal gehört werden.

Auch wenn die Band sicherlich schon damals ziemlich anders war.

Sonntag, 29. August 2010

Nasum - Inhale/Exhale


Eigentlich könnten hier auch die Alben „Human 2.0“, „Helvete“ oder „Shift“ stehen. Mein persönlicher Lieblings-Nasum-Hassbrocken ist jedoch „Inhale/Exhale“ von 1998.

Grindcore auf allerhöchstem Niveau wird hier in 38 Großtaten zelebriert, und in knapp 45 Minuten Spielzeit kommt niemals Langeweile auf! Nasum schreiben extrem wütende Songs, die die Konkurrenz auch heute noch verblassen lassen. Jedes verfickte Riff sitzt, jeder Blast hämmert sich durch die Eingeweide des Hörers, und das abgefuckte Grunzgekreische setzt dem Ganzen die Krone auf.

Besonders wertvoll im Sound von Nasum war der Crustcore/Punk-Einschlag, der dem Sound eine noch aggressivere Note verlieh. Und wie viele geniale Melodien Nasum in ihrer Musik verarbeitet haben, ist für dieses Genre einzigartig.

Mit dem Tod von Sänger Mieszko Talarczyk im Jahr 2004 hat die Grindcore- und auch die Death-Metal-Szene eine der wertvollsten und nachhaltig prägendsten Bands verloren. Leider konnte bis heute keine Band diese Lücke ausfüllen – und es wird wohl auch niemals passieren, denn der Sound von Nasum war einfach viel zu speziell.

Auch „Grind Finale“ soll genannt werden – eine Zusammenstellung der Nasum-History, sozusagen der übermächtige Grindcore-Nachlass der Götter aus Schweden.